Diesel ist an den deutschen Tankstellen inzwischen teurer als Benzin. Auslöser sind die stark gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs. Für Vielfahrer und Unternehmen, die über Jahre auf den Selbstzünder gesetzt haben, könnte das das Ende des billigen Vielfahrens bedeuten.
Lange Zeit galt Diesel als das Erfolgsmodell der deutschen Mobilität. Der Liter war fast immer günstiger als Benzin, nicht zuletzt weil der Staat Dieselkraftstoff steuerlich begünstigte. Diese Förderung sorgte dafür, dass Vielfahrer beim Tanken spürbar weniger ausgeben mussten. Auch die deutsche Autoindustrie profitierte von der Beliebtheit des Dieselmotors und setzte jahrzehntelang auf diese Technologie. Der Diesel war damit mehr als ein Antrieb, er war ein Standortfaktor.
Doch die Vorzeichen haben sich gedreht. Die Ölpreise sind wegen des Iran-Kriegs kräftig gestiegen. Das verteuert Kraftstoffe insgesamt, besonders aber Diesel. Hinzu kommt, dass Diesel nicht nur als Treibstoff dient. Heizöl, Industriediesel und andere Produkte werden ebenfalls aus derselben Komponente gewonnen, die weltweit stark nachgefragt wird. Das stützt die Preise zusätzlich und lässt den einst üblichen Abstand zwischen Benzin und Diesel schrumpfen, bis er sich nun umkehrte.
Für Vielfahrer ist die Entwicklung eine Zäsur. Viele Pendler, Handwerker und Speditionen haben ihre Fahrzeuge bewusst auf Diesel ausgerichtet, weil die Kosten über Jahre kalkulierbar und meist niedriger waren als bei Benzinern. Steigende Preise treffen diese Gruppe unmittelbar. Wer täglich weite Strecken zurücklegt, merkt jede Verteuerung an der Zapfsäule sofort. Auch Unternehmen, die auf Transporte angewiesen sind, geraten zunehmend unter Kostendruck und müssen die höheren Ausgaben entweder selbst tragen oder an ihre Kunden weitergeben.
Hinzu kommt die Urlaubszeit, in der viele Menschen mit dem Auto verreisen. Die Spritpreise bleiben damit ein Thema, das im Alltag vieler Menschen ankommt. An den Tankstellen wächst der Frust, wenn der Liter Diesel teurer ist als Benzin und sich die einst mit dem Dieselauto verbundene Ersparnis in Luft auflöst.
Für die deutsche Autoindustrie kommt die Entwicklung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sie hatte den Dieselmotor lange als Brückentechnologie gepriesen. Ein dauerhaft hoher Dieselpreis schwächt diese Position zusätzlich. Die Attraktivität von Dieselmodellen sinkt, während die Konkurrenz durch alternative Antriebe wächst. Ob der Preis-Schock den Umstieg auf Elektroautos weiter beschleunigt, bleibt abzuwarten.
Ein baldiges Ende der Verteuerung ist nicht in Sicht. Solange der Iran-Krieg andauert, dürften die Spritpreise auf erhöhtem Niveau bleiben. Was lange Zeit als verlässlicher Vorteil des Diesels galt, könnte damit vorerst Geschichte sein. Für diejenigen, die auf das Autofahren angewiesen sind, wird die Lage also vorerst teuer bleiben.
