Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins erstmals seit Juli 2023 wieder angehoben. Der maßgebliche Zinssatz steigt um 0,25 Prozentpunkte und liegt nun in einer Spanne zwischen 3,75 und 4,0 Prozent. Die zwölf zuständigen Fed-Mitglieder stimmten geschlossen für die Erhöhung. Fed-Chef Kevin Warsh begründete den Schritt mit der anhaltend hohen Inflation: «Die Inflation ist zu hoch, und das schon viel zu lange», sagte er.
US-Präsident Donald Trump hatte sich gegen eine Zinserhöhung ausgesprochen und erneut einen Zinsschnitt gefordert. Auf seinem Onlinedienst Truth Social schrieb er, die Zinssätze in den USA sollten «bei einem Prozent oder weniger liegen». Zuvor hatte er gedroht: «Senkt den Zins, oder ich werde aufhören, mit Ländern zu handeln, mit denen wir ein Defizit haben.» Trump hatte Warsh im Mai an die Spitze der Zentralbank gesetzt, um Niedrigzinsen durchzusetzen, die unter anderem Immobilienkredite verbilligen sollten.
Als Warsh vor Journalisten nach einer Botschaft an Trump gefragt wurde, reagierte er mit einem Lachen und erklärte, dazu könne er nichts sagen. Stattdessen wandte er sich an die Bevölkerung: «Die am wenigsten Wohlhabenden profitieren am meisten von stabilen Preisen.» Die heutige Entscheidung sei richtig gewesen. Der Verbraucherpreisanstieg in den USA liege seit mehr als fünf Jahren über der Zielmarke von 2,0 Prozent. Im Juli und August betrug die Inflationsrate 3,4 Prozent. Der Arbeitsmarkt sei dagegen stabil.
Die Fed hat anders als die Europäische Zentralbank ein doppeltes Mandat: Sie muss für stabile Preise und einen robusten Arbeitsmarkt sorgen. Der von Trump mit ausgelöste Iran-Krieg treibt die Energiepreise und damit die Inflation zusätzlich an. Die Unabhängigkeit der Notenbank von der Politik ist ein Grundprinzip ihrer Arbeit, das Trump seit seinem erneuten Amtsantritt im Januar 2025 immer wieder infrage gestellt hat. Warsh zeigte sich kämpferisch: «Ein Teil der Unabhängigkeit der Federal Reserve besteht darin, dass wir uns um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern.» Die für Handels- und Finanzpolitik Verantwortlichen sollten das ebenso tun.
Die Wall Street reagierte mit Verlusten auf die Entscheidung. Der Leitindex Dow Jones gab zum Handelsschluss um 1,21 Prozent nach. Händler hatten die Erhöhung zwar erwartet, doch eine von der Fed ebenfalls veröffentlichte Wirtschaftsprognose zeigt, dass die Mehrheit der Zentralbanker bis Jahresende eine weitere Leitzinserhöhung für möglich hält – gegen den Willen des Präsidenten. Trump hatte zuletzt auch mit einem Handelsstopp für Länder mit Defizit gedroht und behauptet, dies würde jährlich mindestens 1,5 Billionen Dollar einbringen. Den Zusammenhang zur Notenbank erläuterte er nicht.

