Die neu gegründete AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ hat auf ihrem zweiten Bundeskongress in Magdeburg eine strategische Neuausrichtung verpasst. Der Bundesvorstand um den Vorsitzenden Jean-Pascal Hohm wollte mit einem Antrag die Forderung nach einem Austritt Deutschlands aus dem Euro beenden. Doch der Vorstoß scheiterte am Samstag im Alten Theater an der eigenen Basis und an Vertretern der Mutterpartei.

Der Antrag, der dem Redaktionsnetzwerk vorlag, bekannte sich ausdrücklich zum Euro und zur wirtschaftlichen Einheit Europas. Darin hieß es, der Euro habe den Binnenmarkt gestärkt, weise aber erhebliche Konstruktionsmängel auf. Man stehe Reformvorschlägen offen gegenüber, die Stabilität schaffen – „ohne die wirtschaftliche Einheit Europas aufzugeben“. Das hätte eine Abkehr von der bisherigen Forderung bedeutet, das „Experiment Euro geordnet zu beenden“, wie es im Grundsatzprogramm der AfD aus dem Jahr 2016 steht. Auch im Programm zur Bundestagswahl 2025 hatte die Partei einen Austritt aus dem Euro-System gefordert.

Hohm hatte den Kongress genutzt, um zwei große Signale zu setzen: die Überwindung des Euro-Skeptizismus und eine Abkehr von Rachegelüsten gegenüber der Presse. Beides scheiterte vorerst. Stattdessen prägte ein anderer Ton den Tag. Der Landeschef der AfD in Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt, hielt als Auftaktredner eine Rede, die in der Partei lange gefeiert worden wäre, heute aber zunehmend umstritten ist. Er bezeichnete den Staat als „nach Dope stinkenden, faulen Asi“, der sein Geld für Nichtstun von der Friedrich-Ebert-Stiftung erhalte. Die Muttersprache sei ein „aufgedunsenes, intersektional-feministisches Flittchen“ – „weil Vater Staat sie dreimal täglich durchgendert“. Der „verlotterten Linken“ werde man „das Sorgerecht entziehen“. Im Saal gab es erstauntes Lachen, dann lauten Applaus.

Reichardts Worte stehen im Kontrast zu den Reden europäischer Jugendvertreter, die der Vorstand eingeladen hatte. Dennoch erhielt er von AfD-Politikern Anerkennung. Dennis Hohloch, Mitglied im Bundesvorstand, sagte auf der Bühne: „Das ist die beste Rede, die ich je von dir gehört habe.“ Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, sprach von „sehr klaren, sehr guten Worten“.

Der gescheiterte Antrag zeigt, wie tief die Euro-Skepsis in der AfD verwurzelt ist. Die Partei hat sich in den vergangenen Jahren zwar stärker auf das Thema Migration konzentriert, doch die Forderung nach einer eigenen Währung bleibt ein Kernpunkt. CSU-Chef Markus Söder hatte die AfD-Forderung kürzlich als „Wirtschaftsschredderprogramm“ kritisiert. AfD-Chefin Alice Weidel wich im ZDF-Sommerinterview einer klaren Antwort auf die Euro-Frage aus, was viele Medien als Bestätigung werteten, die Partei wolle weiter austreten. Beobachter vermuten jedoch, dass Weidel sich nicht offen gegen die eigenen Programme positionieren wollte, während an einem neuen Grundsatzprogramm gearbeitet wird.

Die Parteijugend hat nun gezeigt, dass die Ablehnung des Euros auch 2026 noch stark ist – ausgerechnet bei jungen Mitgliedern, die die D-Mark-Zeit gar nicht mehr erlebt haben. Ein Gegenantrag forderte die „Abwicklung des identitätszersetzenden Euros“. Der Kongress in Magdeburg machte deutlich: Die Professionalisierung der AfD hat Grenzen, und die Euro-Frage bleibt ein Konfliktfeld, das die Partei weiter spalten dürfte.

Theresa Jungmann

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Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.