Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya haben die chinesischen Behörden erstmals konkrete Angaben zu den vermissten Ausländern gemacht. Unter den 261 Vermissten in der Autonomen Region Tibet befinden sich auch drei Deutsche, wie Vertreter der Region mitteilten. Insgesamt wurden bislang 691 Todesopfer infolge der Naturkatastrophe registriert, die sich am vergangenen Mittwoch im Grenzgebiet zwischen Nepal und China ereignet hatte.
Die Zahl der Toten auf chinesischer Seite stieg demnach von sieben auf 16, während die Zahl der Vermissten auf 546 zurückging. Zusammen mit den mehr als 2.400 in Nepal noch gesuchten Flutopfern galten damit rund 3.000 Menschen weiterhin als vermisst, darunter Hunderte Ausländer. Die vermissten Ausländer in Tibet stammten aus insgesamt 23 Ländern, die meisten aus Nepal. Weitere Vermisste kamen aus den USA (18), Großbritannien (15) sowie jeweils einzelne aus Frankreich, Spanien, Portugal und den Niederlanden.
Unklar blieb zunächst, ob sich die Gesamtzahl der vermissten Deutschen im Katastrophengebiet durch die neuen Angaben erhöht hat oder ob es Dopplungen zwischen den Behörden beider Länder gibt. Das Auswärtige Amt hatte bislang von einer hohen einstelligen Zahl an vermissten Deutschen in der Region gesprochen. In Nepal galten nach Angaben der dortigen Tourismusbehörde weiterhin acht Deutsche als vermisst. Eine Reisegruppe mit einem nepalesischen Veranstalter hatte sich am Unglückstag noch in Tibet aufgehalten, um den Grenzübergang Gyirong zurück nach Nepal zu überqueren.
Die Lage in der Krisenregion bleibt angespannt. Am vierten Tag nach dem Unglück warnte der nepalesische Katastrophenschutz die Menschen in den Regionen Rasuwa, Nuwakot und Dhading vor einer möglichen weiteren Flut im Fluss Bhotekoshi. Die Bewohner wurden aufgerufen, wachsam zu bleiben und sich nicht in der Nähe von Flüssen aufzuhalten. Ein Augenzeuge berichtete, dass in der Region Battar im Bezirk Nuwakot viele Menschen die Berge hinaufliefen, um sichere Orte zu erreichen. Die Geröll- und Schlammmassen hatten sich am Mittwoch auch durch den Bhotekoshi ihren Weg gebahnt und weitreichende Zerstörung angerichtet.
Chinesische Behörden nannten unterdessen erstmals die Ursache für die Sturzflut. Experten des Bergforschungsinstituts in Chengdu stellten fest, dass am vergangenen Mittwoch um 10.52 Uhr Ortszeit am Südhang des Gipfels Langtang Lirung in rund 5.200 Meter Höhe Eis und Gestein abgebrochen waren. Die Gesteinsmassen stürzten bis auf etwa 4.000 Meter Höhe ab und lösten eine Lawine aus. Zwischen dem Abbruch und dem Auftreffen der Lawine am Grenzübergang Gyirong vergingen sechs bis sieben Minuten. Die Sturzflut habe 27 Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Die Behörden verwiesen zudem auf die Instabilität der Gletscher als langfristige Folge der Klimaerwärmung.
In Nepal traf unterdessen internationale Hilfe aus Indien und China ein. Expertenteams sollen bei der Rettungsaktion an einem Wasserkraftwerk am Fluss Trishuli unterstützen, wo in einem Tunnel noch vermisste Arbeiter vermutet werden. Nepals Außenminister Shishir Khanal betonte in Kathmandu, Hilfe werde nicht nur in der Rettungs- und Hilfsphase benötigt, sondern vor allem beim Wiederaufbau. Die USA sagten weitere Unterstützung zu und stellten humanitäre Hilfe im Wert von mehr als 3,6 Millionen US-Dollar bereit, darunter Nahrungsmittelhilfe für bis zu 10.000 betroffene Haushalte für bis zu drei Monate.

