Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schlägt Alarm: In Sachsen droht die Vor- und Nachbereitungszeit für Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten weiter zu schrumpfen. Hintergrund ist der Rückgang der Kinderzahlen im Freistaat. Immer mehr Fachkräfte müssen demnach in reduzierter Teilzeit arbeiten, wodurch ihnen die bezahlten Stunden für Teamsitzungen, Elternarbeit oder die Pflege von Konzepten gestrichen werden.

Nach dem derzeitigen Stufenmodell hat eine Fachkraft bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von mindestens 34 Stunden Anspruch auf zwei Stunden Vor- und Nachbereitung. Das trifft auf mehr als die Hälfte der Erzieherinnen und Erzieher zu. Bei mindestens 22 Stunden Wochenarbeitszeit ist es eine Stunde, bei weniger gibt es diese Möglichkeit gar nicht. „Es gibt nun ganz viele Fachkräfte, die durch den Rückgang der Kinderzahlen in reduzierter Teilzeit arbeiten müssen. Damit sinken auch die Stunden für die Vor- und Nachbereitungszeit oder fallen ganz weg“, erklärte GEW-Chef Burkhard Naumann.

Naumann hält diese Entwicklung für fatal. „Das ist gerade eines der Hauptprobleme in den Kitas“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur und verwies auf Rückmeldungen aus den Einrichtungen. Bislang hätten Teamsitzungen, Elternarbeit oder das Beantworten von E-Mails in der Vor- und Nachbereitungszeit erledigt werden können. Falle diese weg, müsse das während der Betreuungszeit geschehen. „Wann sollen die Leute dort eigentlich noch ihre Teamsitzung machen und Konzepte schreiben?“, fragte der Gewerkschafter. Am Ende fehle die Zeit für die unmittelbare Arbeit mit den Kindern.

Gleiches gelte für die Aufgabe, den neuen sächsischen Erziehungs- und Bildungsplan umzusetzen. Er soll zwar zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, doch seine Überführung in die Praxis sei in der Kürze der Zeit und bei der Belastung der Fachkräfte nicht umsetzbar. „Wir sehen da ein massives Problem. Der Plan mag wunderschön sein, doch wenn er mangels Zeit und Ressourcen in der Schublade bleibt, bringt er nichts. Wann sollen sich die Erzieherinnen und Erzieher damit beschäftigen?“, so Naumann.

Der GEW-Chef äußerte sich auch zu den Kita-Plänen des Bundes. Konkret geht es um den Entwurf des Kita-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetzes. Er legt unter anderem den Fokus auf frühkindliche Bildung, Sprachtests für alle Vierjährigen und eine Förderung auf Basis sozialer Faktoren. Naumann sieht jedoch die besonderen Belange der Kindertagesstätten in Ostdeutschland mit zurückgehenden Kinderzahlen zu wenig berücksichtigt. Kitas im Osten hätten in der Regel weniger Schließtage, längere Öffnungszeiten und bei Kindern unter drei Jahren bereits die höchsten Betreuungsquoten bundesweit.

Parallel zum drohenden Abbau der Strukturen verschärfe sich der Wettbewerb um qualifiziertes Fachpersonal. Es drohe eine Abwanderung aus dem Osten in den Westen. Dabei sei die Betreuungsrelation in ostdeutschen Kindertagesstätten schon heute schlechter. Sie beschreibt, wie viele Kinder eine Fachkraft tatsächlich betreut. In sächsischen Krippen sind es 5,4 Kinder pro Erzieherin, in den Kindergärten 11,3. Sachsen habe damit im Bundesvergleich den vorletzten Platz. Die Experten der Bertelsmann Stiftung empfehlen eine Betreuungsrelation von 1 zu 3 beziehungsweise 1 zu 7,5.

Geld nach einem Sozialindex zu verteilen – also dort mehr Mittel auszugeben, wo der Personalbedarf aufgrund der sozialen Konstellation höher ist – hält Naumann grundsätzlich für richtig. „Aber nur, wenn man das Geld bei anderen Einrichtungen nicht kürzt“, betonte er. Wenn der Bund den Sozialindex wolle, müsse er auch die zusätzlichen Mittel dafür bereitstellen.

Theresa Jungmann

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Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.