Die Partei von Präsident Wladimir Putin hat die russische Parlamentswahl erwartungsgemäß gewonnen. Laut Nachwahlbefragungen kommt die Regierungspartei auf 49,4 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis entspricht den Prognosen im Vorfeld der Abstimmung.
Der letzte Wahltag wurde von schweren ukrainischen Drohnenangriffen auf Moskau und die umliegende Region überschattet. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von einem «beispiellosen Angriff», der offensichtlich darauf abgezielt habe, die Wahlen zu sabotieren. Nach seinen Angaben wehrte Russland seit dem Vortag 1.600 Drohnen ab, davon 450 im Anflug auf die Hauptstadt. Einige Drohnen hätten jedoch das Gelände einer Ölraffinerie erreicht, eine sei in ein Wohnhaus gestürzt. Todesopfer gab es nach offiziellen Angaben zunächst nicht.
Im Moskauer Umland stieg die Zahl der Verletzten auf 20, wie Gouverneur Andrej Worobjow mitteilte. Zuvor hatte er von mindestens zwei Toten infolge der Angriffe gesprochen. An verschiedenen Orten brachen Feuer aus, mehrere Wohnhäuser wurden beschädigt, Hunderte Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Auch an allen vier Hauptstadtflughäfen kam es wegen der Angriffe zu Einschränkungen.
Getroffen wurde nach ukrainischen Angaben auch eine große Raffinerie des staatlichen russischen Ölkonzerns Gazprom bei Moskau. Auf Bildern in sozialen Medien waren mehrere Brandherde und dichter Rauch über der Anlage zu sehen. Die Raffinerie gilt als eine der wichtigsten Russlands; sie produziert Benzin und Diesel für die russische Hauptstadt sowie Kerosin für die Moskauer Flughäfen. Bereits Mitte Juni war die Anlage zweimal mit Drohnen angegriffen worden, erst kürzlich konnte sie den Betrieb wieder aufnehmen. Zu den Schäden durch den jüngsten Angriff liegen bislang keine gesicherten Angaben vor.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Langstreckenangriffe hätten in der Nacht «sehr bedeutende Auswirkungen» in der Region Moskau gehabt. Eine der wichtigsten Einrichtungen der russischen Ölindustrie sowie Logistikeinrichtungen seien getroffen worden. Es gehe um Milliardensummen, mit denen die russische Kriegsmaschinerie finanziert werde.
Die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölindustrie haben zuletzt auch die Spritkrise in Russland wieder verschärft. Unabhängig vom Wahlgeschehen kündigte Selenskyj für seinen Besuch in New York in der kommenden Woche ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump an. Beide Präsidenten nehmen an der Generalversammlung der Vereinten Nationen teil. Selenskyj sagte, ein Treffen könne viel bewirken mit Blick auf mögliche neue Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs. «Die diplomatische Dynamik ist da», erklärte er. Ein genaues Datum nannte er zunächst nicht.
Nach dem jüngsten Besuch von US-Chefunterhändler Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in Kiew sagte Selenskyj, der Friedensprozess habe höchste Priorität. Die beiden hatten in ihrer Vermittlerrolle erstmals die Ukraine besucht und sich über die Lage informiert. Zuvor waren sie zum wiederholten Mal in Russland gewesen. Geplant ist, die direkten Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau unter US-Vermittlung über ein Ende des Kriegs wiederaufzunehmen. Russland hält dies im Oktober für möglich. Im vergangenen Winter waren die Gespräche in eine Sackgasse geraten und dann auch wegen des Iran-Kriegs abgebrochen worden.
Unterdessen meldete die ukrainische Regierung, dass bei einem russischen Drohnenangriff im südukrainischen Gebiet Cherson ein Geistlicher getötet wurde. Vier weitere Geistliche seien bei der Attacke am Vortag verletzt worden, schrieb Selenskyj in den sozialen Medien. Nach Angaben regionaler Behörden attackierte Russland das Kloster und das Dorf Tscherwonyj Majak am Fluss Dnipro, der dort russische und ukrainische Truppen voneinander trennt. Selenskyj beklagte außerdem Angriffe auf kritische und zivile Infrastruktur in den Regionen Charkiw, Sumy und Odessa sowie Einschläge in Wohnhäuser in den Gebieten Dnipropetrowsk und Saporischschja. Russland habe in dieser Woche mehr als 2.000 Drohnen, 1.700 Gleitbomben und 19 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt.

