Nach Erkenntnissen des ukrainischen Geheimdienstes hat Nordkorea eine Raketeneinheit seiner Armee in den Westen Russlands verlegt. Die Einheit bestehe aus sechs mobilen Abschussbasen und könne mit rund 120 Raketen bestückt werden. Nach russischen Plänen sollen die etwa 90 nordkoreanischen Soldaten in der westrussischen Region Woronesch stationiert werden.

Die Verlegung markiert eine weitere Eskalation in der militärischen Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang. Russland hat nach ukrainischen Angaben bereits seit Ende 2023 zahlreiche nordkoreanische Raketen gegen Ziele in der Ukraine abgefeuert. Eine eigens entsandte Raketeneinheit geht jedoch über die bisherigen Waffenlieferungen hinaus. Nordkorea hat zudem Millionen Artilleriegranaten geliefert und nach ukrainischen Angaben rund 14.000 Soldaten in die russische Region Kursk entsandt.

Damit vertieft Nordkorea eine Partnerschaft, die seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 gewachsen ist. Kim Jong-un gilt als einer der engsten Verbündeten von Präsident Wladimir Putin. 2024 besiegelten beide Länder ein offizielles Beistandsabkommen. Im Gegenzug für Waffen, Munition und Soldaten erhält Nordkorea nach Angaben aus Pjöngjang Nahrungsmittel, Medikamente und Öl. Zugleich profitiert die Führung in Pjöngjang vom militärischen Know-how, das ihre Truppen auf den Schlachtfeldern in der Ukraine sammeln können.

Der US-Wissenschaftler Bruce Klingner von der Mansfield Institution beschrieb die nordkoreanischen Soldaten im Einsatz zunächst als mutig, aber im Umgang mit neuen Techniken unerfahren. «Sie galten von Beginn als tapfer, aber wenig geschult in neuen Techniken», sagte er. «Sie lernen schnell dazu.» Die Entsendung von Raketen und Personal bringt die ukrainische Luftverteidigung weiter in Bedrängnis. Erst Ende Juli hatte die Ukraine eigenen Angaben zufolge den Einschlag einer Rakete aus nordkoreanischer Produktion gemeldet.

Präsident Wolodymyr Selenskyj fand damals deutliche Worte für das Bündnis zwischen Moskau und Pjöngjang. «Das Bündnis zwischen den Moskauer Dreckskerlen und dem wahnsinnigen Regime in Nordkorea existiert für Raketen, für nordkoreanische Truppen an unseren Grenzen hier in Europa und dafür, unsere ukrainischen Kinder zu töten», teilte er mit.

Die Geheimdienstmeldung wurde bekannt, während Russland erneut die ukrainische Hauptstadt Kiew und ihr Umland angriff. In der Nacht zu Mittwoch kamen in der Region Kiew nach offiziellen Angaben mindestens 15 Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Nach Angaben des ukrainischen Militärs wurden insgesamt 28 Raketen und 98 Drohnen eingesetzt; die Luftabwehr konnte demnach keine der Raketen, sondern nur Drohnen abfangen. Bei den Raketen handelte es sich nach Militärangaben um ballistische Raketen.

Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete, im Stadtbezirk Obolon sei ein 20-stöckiges Wohnhaus getroffen worden. Zudem wurden mehrere Bürogebäude und Lagerhäuser beschädigt, in der Stadt und der Umgebung brachen Brände aus. Die Behörden waren nach den Angriffen mit zahlreichen Rettungskräften im Einsatz. Die Lieferung von Raketen und Truppenteilen aus Nordkorea bringt die ohnehin überlastete ukrainische Raketenabwehr weiter in Bedrängnis.