Der frühere US-Sicherheitsberater John Bolton hat US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert und ihm vorgeworfen, die Beziehungen zu den Nato-Verbündeten enorm beschädigt zu haben. In einem Interview sagte Bolton, Trump habe dem Bündnis schweren Schaden zugefügt. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass die transatlantischen Beziehungen wieder repariert werden können – allerdings erst, wenn Trump nicht mehr im Amt sei.

Bolton, der unter Trump als Nationaler Sicherheitsberater tätig war und heute zu dessen schärfsten Kritikern zählt, attestierte seinem ehemaligen Chef ein «kindliches Verständnis» von Außenpolitik. Diese Einschätzung hatte er bereits in der Vergangenheit mehrfach geäußert. Nun bekräftigte er sie mit Blick auf die aktuellen Spannungen zwischen Washington und den europäischen Partnern.

Die Hoffnung auf eine Besserung der Lage hat Bolton nach eigenen Worten nicht aufgegeben. Er halte das Verhältnis zu den Nato-Verbündeten für «reparabel», sagte er. «Wir müssen das bald reparieren», zitierte ihn ein US-Sender. Klare Bedingungen für eine Wiederannäherung nannte er jedoch nicht. Aus seinen Äußerungen geht hervor, dass er eine grundlegende Kurskorrektur erst nach einem Ende der Ära Trump für realistisch hält.

Die Kritik des Ex-Sicherheitsberaters fällt in eine Phase wachsender Unsicherheit über die künftige Ausrichtung der US-Außen- und Sicherheitspolitik. In Europa wird seit geraumer Zeit diskutiert, wie stark die Vereinigten Staaten ihr Engagement auf dem Kontinent aufrechterhalten werden. Bolton hatte sich bereits zuvor mehrfach zu Wort gemeldet und dabei nicht nur die Nato-Politik, sondern auch andere Entscheidungen Trumps kritisiert. So warf er dem Präsidenten in einem weiteren Interview Plan- und Ziellosigkeit in der Kriegsführung gegen den Iran vor. Trumps Strategie sei unausgegoren und ohne klares Ziel, so Bolton.

Die Äußerungen des früheren Sicherheitsberaters sind insofern bemerkenswert, als Bolton einst zu den engsten Vertrauten Trumps im Weißen Haus gehörte. Er diente dem Präsidenten als Nationaler Sicherheitsberater, ehe er das Amt verließ und sich anschließend öffentlich von ihm distanzierte. Seitdem tritt er regelmäßig als Kommentator auf und positioniert sich als entschiedener Gegner der Regierung.

Für die europäischen Nato-Mitglieder sind die Signale aus Washington von erheblicher Bedeutung. Deutschland und andere Staaten haben in den vergangenen Jahren ihre Verteidigungsausgaben erhöht und Rüstungsprojekte vorangetrieben, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern. So hat die Bundeswehr erst kürzlich ihren ersten F-35-Tarnkappenjäger erhalten, der die alternde Tornado-Flotte ablösen soll. Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach von einer «neuen Ära für die Luftwaffe». Die ersten acht Maschinen bleiben zunächst in den Vereinigten Staaten, wo deutsche Piloten und Techniker ausgebildet werden. Ab 2027 sollen sie auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert werden.

Gleichzeitig gibt es in Europa Sorgen über einen möglichen Truppenabzug der USA. Berichten zufolge prüft das Pentagon verschiedene Szenarien, die eine Verringerung der US-Präsenz in Europa vorsehen. Bereits im Frühjahr war der Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland angekündigt worden. Zuletzt waren rund 36.000 US-Soldaten in der Bundesrepublik stationiert. Eine Empfehlung dazu soll dem Präsidenten bis Anfang November vorgelegt werden.

Bolton äußerte sich nicht zu diesen konkreten Plänen. Seine Kritik richtet sich grundsätzlich gegen den Kurs des Präsidenten. Ob und wann sich die Beziehungen zu den Nato-Partnern tatsächlich verbessern, lässt er offen. Seine Botschaft ist jedoch eindeutig: Die Reparatur des Verhältnisses sei notwendig und möglich, aber sie werde Zeit brauchen – und einen anderen Präsidenten.

Theresa Jungmann

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Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.