Die AfD Berlin wird bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September erneut von Kristin Brinker als Spitzenkandidatin angeführt. Die 54-jährige Landes- und Fraktionsvorsitzende tritt damit bereits zum dritten Mal in dieser Funktion an, nach der Wahl 2021 und der Wiederholungswahl 2023. Auf einem Parteitag in Jüterbog im Oktober 2025 hatten rund 92 Prozent der Delegierten für sie gestimmt.
Brinker wurde am 6. April 1972 in Bernburg an der Saale in Sachsen-Anhalt geboren und kam nach der Wiedervereinigung nach Berlin. Dort absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Bankberaterin bei der Berliner Volksbank, studierte später Architektur an der Technischen Universität Berlin und promovierte 2005. Seit Ende der 1990er-Jahre ist sie zudem selbstständig im Immobilienmanagement und in der Projektentwicklung tätig. Sie ist verheiratet und lebt in Berlin.
Politisch gehört Brinker zu den frühen Mitgliedern der AfD, die sie 2013 im Gründungsjahr beitrat. Seit 2016 sitzt sie im Berliner Abgeordnetenhaus, seit 2021 führt sie sowohl den Landesverband als auch die Fraktion. Ihr Wahlkreis ist Steglitz-Zehlendorf. In der Partei gilt sie als Vertreterin des gemäßigten, konservativ-bürgerlichen Flügels. Ihr Aufstieg zur Landesvorsitzenden im Jahr 2021 wurde allerdings auch durch Stimmen aus dem Umfeld des inzwischen offiziell aufgelösten rechtsextremen «Flügels» ermöglicht. Brinker hat sich mit diesen Kräften arrangiert und hält sich auch mit ihrer Unterstützung an der Spitze des Landesverbands.
Im Jahr 2024 wurde bekannt, dass Brinker 2023 an einer Dachterrassen-Party des ehemaligen Finanzsenators und CDU-Politikers Peter Kurth teilgenommen hatte. Zu den zentralen Gästen zählten Vordenker der rechtsextremen Szene wie der Verleger Götz Kubitschek, der Aktivist Martin Sellner, der Autor Benedikt Kaiser und der AfD-Politiker Maximilian Krah. Sellner, Kaiser und Krah sollen dort ihre aktuellen Bücher vorgestellt haben. Brinker erklärte im Anschluss, sie sei nur zu der Veranstaltung gegangen, weil sie die «Dachterrasse dort so schön» finde. Sie sei dann «geschockt» gewesen vom Publikum und rasch wieder gegangen. Maximilian Krah widersprach dieser Darstellung deutlich: Kristin Brinker habe den Abend «sehr genossen, wie sie mir bei einem Gespräch zu sehr fortgeschrittener Stunde an jenem Abend bestätigte».
Auch Brinkers Ehemann Günter Brinker sorgte für Schlagzeilen. Er war von 2013 bis 2016 Landesvorsitzender der Berliner AfD und wurde dann von Beatrix von Storch verdrängt. 2021 geriet er erneut in den Fokus der Öffentlichkeit, als er eine Nachricht in einen Chat mit verschiedenen AfD-Angehörigen weiterleitete, die Schmähungen und Todeswünsche gegen die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) enthielten. Ein Screenshot der Nachricht wurde vom «Business Insider» veröffentlicht. Günter Brinker erklärte später, er habe die Nachricht nicht weiterleiten, sondern löschen wollen. Seine Frau gab an, ihr Mann sei «nicht so firm in technischen Dingen». Die Nachricht blieb laut «Business Insider» insgesamt neun Stunden in dem Chat online.
Kurz vor der Wahl durchsuchte die Polizei das Haus eines engen Mitarbeiters von Brinker. Die Ermittler fanden Drogen und mutmaßliche Nazi-Devotionalien. Anlass der Durchsuchung war der Verdacht auf illegalen Waffenbesitz.
In den Umfragen zur Berlin-Wahl liegt die AfD derzeit bei rund 18 Prozent. Bei der Wahl 2021 hatte sie neun Prozent erreicht. Damit könnte sie ihr Ergebnis verdoppeln. Eine echte Regierungsoption hat die Partei jedoch nicht, da keine der anderen Parteien mit ihr koalieren möchte. Die Wahl am 20. September wird daher voraussichtlich zu einem Dreikampf zwischen CDU, Linken und AfD führen, bei dem die AfD stark zulegt, aber ohne Koalitionspartner bleibt.

