Junge Männer, die 2024 noch hoffnungsfroh für Donald Trump gestimmt hatten, sind heute von dem Republikaner enttäuscht. Eine Befragung unter den 18- bis 29-jährigen US-Amerikanerinnen und Amerikanern zeigt, dass viele der Ansicht sind, der Präsident habe das Gegenteil seiner Wahlversprechen erreicht. Die Lebenshaltungskosten seien gestiegen statt gesunken, das Weiße Haus gelte als korrupt, und statt Frieden zu bringen, habe Trump einen weiteren Krieg begonnen.

Am 3. November finden in den USA die Kongresswahlen statt, bei denen die Demokraten Chancen haben, in einer oder sogar in beiden Parlamentskammern die Mehrheit zu gewinnen. Dabei schneidet die Partei bei den jüngeren Wählern ähnlich schlecht ab wie die Republikaner. Das gesamte politische System der USA genießt in dieser Altersgruppe derzeit keinen guten Ruf.

Im Kern lassen sich fünf wahlrelevante Bevölkerungsgruppen unterscheiden: Männer und Frauen, Weiße, Schwarze sowie Hispanics, also Menschen, die selbst oder deren Vorfahren aus spanischsprachigen Ländern stammen. Gerade die Hispanics hatten 2024 mit ihren Stimmen wesentlich dazu beigetragen, dass Trump erneut zum Präsidenten gewählt wurde. Ihre Begeisterung für die Maga-Bewegung ist seither deutlich abgekühlt.

Als Gründe nennen Beobachter ähnliche Motive wie bei den jungen Wählern: Trump habe seine Versprechen nicht eingelöst. Hinzu kommt das harte Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE. Hispanics sind davon besonders häufig betroffen, da sie die größte Einwanderergruppe in den USA bilden. Immer wieder geraten dabei auch US-Bürger oder Menschen mit regulärer Aufenthaltserlaubnis in Abschiebehaft, was den ohnehin schlechten Ruf der Behörde weiter verschlechtert.

Der Anteil der Latinos, die planen, für die Republikaner zu stimmen, liegt laut den Befragungen nur noch bei rund 30 Prozent. Rund 40 Prozent wollen dagegen die Demokraten wählen. Besonders deutlich ist diese Tendenz bei Latina-Frauen.

Auch unter konservativ wählenden Schwarzen verliert Trump an Rückhalt. Während 2024 noch etwa jeder vierte Afroamerikaner für ihn stimmte, dürfte es nun nur noch etwa jeder zehnte sein. Schwarze Frauen wählen traditionell nahezu ausschließlich die Demokraten.

Bleiben als Stammwähler der Republikaner vor allem weiße Männer, oft älter und meist auf dem Land lebend. Diese Gruppe hatte 2024 zu 59 Prozent für Trump beziehungsweise seine Partei gestimmt. Doch auch ihr Anteil dürfte nach aktuellen Schätzungen unter 50 Prozent sinken, in manchen Umfragen liegt er sogar nur noch bei 45 Prozent.

Neben den Bevölkerungsgruppen spielt auch der Wohnort eine entscheidende Rolle. Alle zehn Jahre können die Wahlkreise auf Basis einer Volkszählung neu zugeschnitten werden. Die Republikaner nutzen dieses sogenannte Gerrymandering, um Wahlbezirke so zu verändern, dass ihre Partei voraussichtlich die Mehrheit erringt. So werden etwa Gegenden mit vielen schwarzen, eher städtisch lebenden und demokratisch wählenden Einwohnern so zerteilt, dass in den betreffenden Bezirken weiße Vorstadtbewohner die Mehrheit stellen. Diese vom obersten US-Gericht gebilligte Methode kann etwa in Memphis, Tennessee, in Teilen Louisianas oder Floridas dazu führen, dass die schwarze Mehrheitsbevölkerung keinen Repräsentanten ihrer Wahl nach Washington entsenden kann. Auch die Demokraten haben das Verfahren bereits angewandt, etwa in Kalifornien.

Trotz solcher Manöver dürfte es für viele Republikaner bei den Midterms nicht reichen. Trumps Ansehen ist derzeit so schlecht, dass selbst traditionell konservative Staaten wie Texas oder Iowa in diesem Jahr demokratische Kandidaten wählen könnten. Aktuelle Umfragen zu den Senats- und Repräsentantenhausrennen zeigen, wie eng es in einzelnen Bundesstaaten werden könnte.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.