Deutschlands größte Direktbank ING steigt in den Wettbewerb um Sparer beim Altersvorsorgedepot ein. Das Institut mit mehr als zehn Millionen Privatkunden im Land bietet ab Anfang 2027 zwei Varianten an, die ohne Depotführungs-, Wechsel- oder Ordergebühren auskommen. Auch für Sparpläne erhebt die Bank keine Ausführungsgebühren. Damit beteiligt sich die ING an einem Preiskampf, in dem zahlreiche Institute mit niedrigen Gebühren um neue Kunden werben.
Das Altersvorsorgedepot ist ein Angebot, mit dem der Staat das Sparen für die Rente über die Börse fördert. Wer fürs Alter in Indexfonds (ETFs), Fonds und Anleihen investiert, kann ab 2027 staatliche Zulagen erhalten. Gefördert werden Einzahlungen mit bis zu 540 Euro Zulage pro Jahr; für jedes Kind gibt es zusätzlich bis zu 300 Euro. Förderfähig sind Einzahlungen zwischen 120 Euro und 1.800 Euro im Jahr. Kapitalerträge wie Kursgewinne, Dividenden und Zinsen bleiben während der Ansparphase steuerfrei und werden erst in der Auszahlungsphase besteuert. Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, kann in das neue System wechseln und das angesparte Guthaben übertragen.
Die ING setzt auf zwei unterschiedliche Modelle. Das Selbstentscheider-Depot erlaubt Anlegern die Auswahl aus vielen ETFs und Fonds, die Gesamtkostenquote beginnt bei 0,03 Prozent. Daneben steht ein fixes Standard-Depot aus zwei aktiven ETFs mit einer Gesamtkostenquote von 0,20 Prozent. Die Zusammensetzung dieser beiden weltweit anlegenden Fonds übernimmt die ING selbst. Das Angebot unterscheidet sich damit von einer rein passiven Lösung und ist etwas teurer als vergleichbare Modelle am Markt, etwa die der Deka oder von Neobrokern. Kunden können bereits ab einer monatlichen Sparrate von zehn Euro vorsorgen.
Burcu Civelek Yüce, die das Privatkundengeschäft der ING Deutschland leitet, sagt: „Altersvorsorge muss nicht für alle gleich sein, aber sie muss für alle einfach beginnen.“ Mit dem Start der zwei Varianten will die Bank diesen Anspruch umsetzen.
Im Markt herrscht bereits ein Wettlauf um das Altersvorsorgedepot, bei dem immer mehr Banken mit niedrigen Gebühren werben. Die Deutsche Bank bietet ein von der Fondstochter DWS entwickeltes Standarddepot an, dessen jährliche Kosten in den ersten zwei Jahren 0,1 Prozent betragen sollen und danach 0,28 Prozent. Zusätzlich plant die Bank ein Vorsorgedepot mit Beratung, für das jährlich ein Entgelt von 0,99 Prozent erhoben wird. Die Dekabank, die Sparkassen mit Produkten versorgt, veranschlagt für ihr Standarddepot 0,1 Prozent Gebühren pro Jahr.
Besonders starken Preisdruck üben Digitalbanken wie Scalable Capital und Trade Republic aus. Laut einer Studie der DWPBank planen mehr als 90 Prozent der 88 befragten Institute ein Altersvorsorgedepot, obwohl der Preiskampf es den Banken kaum ermöglicht, damit Geld zu verdienen. Nach Einschätzung der Studie wiegen Kundenbindung und die Möglichkeit, mit gewonnenen Sparern weitere Geschäfte zu machen, schwerer als die Wirtschaftlichkeit des Produkts selbst.
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