Der chinesische Online-Marktplatz Temu muss nach einer Strafe der EU-Kommission in Höhe von 200 Millionen Euro seinen Verbraucherschutz verbessern. Die Brüsseler Behörde hatte dem Unternehmen vorgeworfen, Kundinnen und Kunden nicht ausreichend vor illegalen Produkten zu schützen. Temu hat daraufhin Änderungen angekündigt und Vorschläge vorgelegt, die die Kommission zunächst akzeptiert hat.

Die Kommission hatte die Strafe im Mai verhängt. Sie warf dem Unternehmen vor, die Risiken auf seiner Plattform unterschätzt zu haben. Dies sei ein schwerer Verstoß gegen das EU-Gesetz über digitale Dienste, den Digital Services Act, kurz DSA. Grundlage der Vorwürfe waren Testkäufe aus dem Jahr 2025, bei denen viele Artikel durchfielen. Ladegeräte hätten grundlegende Sicherheitstests nicht bestanden. Ein hoher Anteil der getesteten Babyspielzeuge habe Grenzwerte für Chemikalien überschritten oder sei wegen abnehmbarer Teile mit Erstickungsgefahr verbunden gewesen. Gefährliches Babyspielzeug und unsichere Ladegeräte standen damit im Zentrum des Verfahrens.

Nach Angaben der Kommission soll Temu künftig prüfen, ob sein Empfehlungsalgorithmus die Verbreitung illegaler Produkte begünstigt. Die Risikobewertung soll sich auf aktuelle und verlässliche Daten stützen und genau auf den eigenen Dienst zugeschnitten sein. Mit belastbaren Kennzahlen muss das Unternehmen belegen, dass seine Schutzmaßnahmen die Verbreitung illegaler Angebote tatsächlich verringern. Außerdem soll Temu offenlegen, wo automatische und manuelle Kontrollen der Angebote von Händlern an Grenzen stoßen. Zudem muss der Konzern untersuchen, wie Händler die Funktionen der Plattform gezielt ausnutzen, um illegale Waren anzubieten.

Temu hat nun vier Monate Zeit, die Vorschläge umzusetzen. Ein Unternehmenssprecher erklärte, man schätze den konstruktiven Austausch mit der Kommission. Der Plan sei ein deutlicher Beleg für das Engagement, in eine robuste Compliance-Infrastruktur zu investieren, um eine sichere und vertrauenswürdige Einkaufsumgebung für alle Nutzerinnen und Nutzer in der EU zu gewährleisten. Das Unternehmen betont damit, dass der Schutz der Verbraucher in der Union aus seiner Sicht Priorität hat.

Sollte die Kommission zu dem Schluss kommen, dass Temu nicht genug zur Einhaltung der EU-Regeln beiträgt, könnte sie zusätzlich tägliche Strafzahlungen anordnen. Das Verfahren gegen das Unternehmen läuft bereits seit knapp zwei Jahren. Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland und der übrigen EU bedeutet die Entscheidung, dass die Plattform ihre Kontrollmechanismen nachweislich verbessern muss, bevor die Behörde den Fall abschließt.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.