Bei einem russischen Drohnenangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist in der Nacht zum Mittwoch ein Lager der Medienfirma Kvartal 95 zerstört worden. Das Unternehmen wurde einst von Präsident Wolodymyr Selenskyj mitgegründet. Nach Angaben der Firma wurden bei dem Angriff keine Menschen verletzt.

In einer Mitteilung auf Facebook erklärte das Unternehmen, es habe «eine große Menge an Kulissen, Kostümen und Gegenständen» verloren, die zwanzig Jahre lang Teil der Konzerte, Fernsehsendungen, Filme und Serien gewesen seien. Das seien nicht einfach nur Dinge, sondern die Geschichte des «Kvartals». Die Shows der Komödiantentruppe des Produktionsstudios würden dennoch «mit oder ohne Requisiten» fortgesetzt, hieß es weiter. «Denn Lachen ist heute auch ein Teil des Lebens», teilte das Unternehmen mit. Das Leben gehe weiter.

Der Angriff auf das Lager ist Teil der anhaltenden russischen Luftschläge auf die Ukraine. In der Nacht zum Mittwoch wurden nach Angaben der ukrainischen Behörden weitere Ziele getroffen. So meldete der Generalstab in Kiew, dass die ukrainischen Streitkräfte einen russischen Su-24-Bomber auf dem Militärflugplatz Saky im von Russland besetzten Teil der Krim getroffen hätten. Das Ausmaß der Schäden werde noch geprüft. Der Flugplatz war bereits mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe. Bei weiteren Angriffen zwischen dem 15. und 16. September sei zudem ein russischer Drohnenstandort nahe Donezk getroffen worden.

Unterdessen hat die Nato die Darstellung Russlands zurückgewiesen, wonach das Militärbündnis die deutschen Erkenntnisse zu dem Sprengstoffdrohnenfund auf dem Flughafen Leipzig/Halle anzweifelt. «Die Behauptung des russischen Geheimdienstes, wonach die Nato keine Belege für eine russische Beteiligung an dem Drohnenvorfall in Leipzig gefunden habe, ist absurd», sagte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Geheimdienstexperten der Nato seien wie Deutschland zu dem Schluss gekommen, dass Russland hinter dem hybriden Angriff am 4. August stecke. «Russland hat nachweislich immer wieder versucht, verbündete Staaten zu destabilisieren und uns davon abzubringen, die Ukraine zu unterstützen», fügte der Bündnissprecher hinzu. Russlands rücksichtsloses Vorgehen sei gefährlich, aber man werde sich nicht davon abbringen lassen, die Ukraine weiter zu unterstützen.

Die Bundesregierung hatte als Reaktion auf den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig-Halle die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn zum 18. September angeordnet. Nach der Schließung hat Russland ein Flugzeug nach Deutschland geschickt, um Beschäftigte außer Landes zu bringen. Für den Sonderflug sei von deutscher Seite eine entsprechende Genehmigung erteilt worden, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin. Er stehe «im Zusammenhang mit der Ausreise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des russischen Generalkonsulats Bonn». Damals war in der Nähe ukrainischer Frachtflugzeuge eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden. Der Flughafen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine. Die Bundesregierung macht Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich.

Der russische Staatschef Wladimir Putin hat unterdessen die kommende Parlamentswahl als Symbol der Einigkeit seines kriegführenden Landes dargestellt. «Die Teilnahme an den Wahlen ist unser gemeinsamer Beitrag zum Sieg Russlands», sagte er in einer Videoansprache. Die Wahl solle zeigen, «dass hinter unseren Kämpfern Millionen Menschen stehen, dass wir ein geeintes Volk sind». Er gehe davon aus, dass die «würdigsten Kandidaten» gewinnen.

Nach Angaben russischer Militärblogger und des tschetschenischen Generals Apti Alaudinow ist der russische Generalmajor Anton Grinus getötet worden. Grinus, Kommandeur der 4. motorisierten Garde-Schützenbrigade, war erst am 27. August mit dem Titel «Held Russlands» ausgezeichnet worden. Die genauen Umstände seines Todes sind bislang unklar. Berichte bringen ihn mit ukrainischen Angriffen in den besetzten Gebieten Luhansk und Donezk in Verbindung. Grinus hatte Anfang Juli die Einnahme der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka an Präsident Wladimir Putin gemeldet. Die ukrainische Seite und westliche Militärbeobachter bestreiten jedoch, dass die Stadt vollständig unter russischer Kontrolle steht.

In Belarus hat US-Unterhändler John Coale nach Verhandlungen mit Machthaber Alexander Lukaschenko erneut Gefangene freibekommen. Im Gegenzug versprach er, die US-Sanktionen gegen zwei große belarussische Unternehmen aufzuheben. «25 Gefangene sind heute frei!», teilte Coale nach den Unterredungen in Minsk bei X mit. Das Engagement für direkte Diplomatie von US-Präsident Donald Trump bringe direkte Ergebnisse. «Vielen Dank, Präsident Lukaschenko, für diesen Schritt», sagte Trumps Sondergesandter. Die freigelassenen Gefangenen trafen später im benachbarten Litauen ein und wurden Medienberichten zufolge von Vertretern der belarussischen Opposition, ihren Unterstützern und Angehörigen in Vilnius empfangen. Viele zeigten sich glücklich über ihre Freilassung und bedankten sich bei allen, die für ihre Freiheit gekämpft hatten. Beim Grenzübertritt und Transport wurden sie nach Angaben des litauischen Außenministeriums von lokalen Behörden unterstützt.

Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.