Drei Innovationen aus Bayern und Baden-Württemberg sind für den Deutschen Zukunftspreis 2026 nominiert. Wie die Jury am Mittwoch im Deutschen Museum in München bekannt gab, konkurrieren ein intelligenter Energiespeicher, eine neue Fertigungstechnik für hocheffiziente Mikrochips und ein Behandlungsverfahren für Intensivpatienten um die Auszeichnung. Der mit 250.000 Euro dotierte Preis wird am 18. November von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin überreicht. Bereits die Nominierung gilt in der Wissenschaft als hohe Anerkennung.
Das erste Projekt befasst sich mit den Schwankungen der Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik. Forscher der Technischen Universität München haben ein reversibles Brennstoffzellenkraftwerk entwickelt, das bei Bedarf Strom aus Biogas, Erdgas oder Wasserstoff erzeugt und bei einem Überangebot an Wind- und Solarstrom umgekehrt Wasserstoff oder synthetisches Methan herstellt. Die Energie lässt sich damit langfristig im bestehenden Gasnetz speichern und später wieder zur Stromerzeugung nutzen. Aus der Forschung ging 2022 das Unternehmen Reverion hervor, dessen erste Anlagen bereits kommerziell im Einsatz sind.
Das zweite nominierte Projekt widmet sich der Behandlung von Multiorganversagen, das in Deutschland nach Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache ist. Bei einer schweren Sepsis, Vergiftungen oder nach Operationen kann es zu einem gleichzeitigen Ausfall mehrerer lebenswichtiger Organe kommen. Die Münchner Advitos-Gesellschaft hat ein System entwickelt, das wasserlösliche und proteingebundene Giftstoffe aus dem Blut entfernt, die Elimination von Kohlendioxid unterstützt und den Säure-Basen-Haushalt stabilisiert. Die Technologie geht auf Arbeiten des 2022 verstorbenen Nephrologen Bernhard Kreymann aus dem Jahr 1995 zurück und wird nach Unternehmensangaben inzwischen an mehr als 30 Intensivstationen in Deutschland und Österreich eingesetzt. Mehr als 11.500 Behandlungen wurden damit bereits durchgeführt.
Das dritte Projekt zielt auf die wachsenden Datenmengen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Die herkömmliche Übertragung mit elektrischen Signalen verursacht bei steigenden Datenraten zunehmend Energieverbrauch, Wärme und Signalverluste. Forscherteams am Karlsruher Institut für Technologie haben deshalb eine effiziente Fertigungstechnologie für photonische Mikrochips entwickelt. Mithilfe hochauflösenden 3D-Drucks auf der Nanoskala werden Chips und Glasfasern automatisiert durch winzige dreidimensionale Lichtleiter verbunden. Diese photonischen Wirebonds ersparen die bislang aufwendige Verbindungstechnik und ermöglichen erstmals eine Serienfertigung. Die Technologie soll die wirtschaftliche Produktion photonischer Systeme für Rechenzentren und Anwendungen in der Künstlichen Intelligenz in großen Stückzahlen ermöglichen.
Der Deutsche Zukunftspreis wird seit 1997 verliehen und gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für Technik und Innovation in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurde ein Stuttgarter Projekt ausgezeichnet: Forscher von Bosch hatten ein kompaktes Brennstoffzellen-Antriebssystem für schwere Lastwagen entwickelt, das einen emissionsfreien Fernverkehr ermöglichen soll. Die diesjährigen Nominierten decken mit Energiewende, Medizin und Digitalisierung drei zentrale Zukunftsfelder ab. Alle drei Projekte sind bereits marktreif und haben den Sprung aus der Forschung in die Anwendung geschafft. Wer den Preis erhält, entscheidet eine Jury am 18. November in Berlin.

