Der US-amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Michael Kremer wird neuer Chefvolkswirt der Weltbank. Das gab die in Washington ansässige Entwicklungsbank bekannt. Kremer tritt damit die Nachfolge des bisherigen Chefökonomen an und übernimmt eine der einflussreichsten Positionen in der internationalen Wirtschaftspolitik.
Kremer wurde 2019 gemeinsam mit Abhijit Banerjee und Esther Duflo mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Das Trio erhielt die Ehrung für seinen experimentellen Ansatz zur Bekämpfung globaler Armut. Ihre Forschung revolutionierte die Entwicklungsökonomie, indem sie randomisierte kontrollierte Studien nutzte, um die Wirksamkeit konkreter Maßnahmen zur Armutsbekämpfung zu messen.
Als Chefvolkswirt der Weltbank wird Kremer künftig die wirtschaftswissenschaftliche Forschungsabteilung der Institution leiten und die strategische Ausrichtung der Bank in Fragen der globalen Entwicklungspolitik mitgestalten. Die Weltbank ist eine der wichtigsten multilateralen Organisationen zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung und Armutsbekämpfung weltweit. Der Chefökonom spielt eine zentrale Rolle bei der Analyse globaler Wirtschaftstrends und der Formulierung von Politikempfehlungen für Entwicklungs- und Schwellenländer.
Kremer lehrt derzeit an der University of Chicago, wo er als Professor für Wirtschaftswissenschaften tätig ist. Zuvor war er unter anderem an der Harvard University beschäftigt. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Entwicklungsökonomie, Bildungsökonomie und Gesundheitsökonomie. Besonders bekannt wurde er durch seine Arbeiten zu Impfprogrammen in Entwicklungsländern und zur Verbesserung von Bildungssystemen.
Die Berufung eines Nobelpreisträgers auf den Posten des Chefvolkswirts unterstreicht die Bedeutung, die die Weltbank der wissenschaftlich fundierten Armutsforschung beimisst. In den vergangenen Jahren hat die Institution ihre Strategien zur Armutsbekämpfung zunehmend auf evidenzbasierte Ansätze gestützt. Kremers Expertise in der experimentellen Entwicklungsökonomie dürfte diese Ausrichtung weiter stärken.
Die Weltbank steht vor großen Herausforderungen: Die globale Armut ist in einigen Regionen wieder gestiegen, der Klimawandel gefährdet Entwicklungsfortschritte, und geopolitische Spannungen erschweren die internationale Zusammenarbeit. Von einem Chefökonomen mit Kremers Profil erhoffen sich Beobachter neue Impulse für die Bewältigung dieser Aufgaben.
Kremer ist verheiratet und hat Kinder. Über den genauen Zeitpunkt seines Amtsantritts und die Nachfolgeregelung an der University of Chicago wurde zunächst nichts bekannt. Die Weltbank äußerte sich bislang nicht zu den Details der Personalie.
Mit der Berufung Kremers setzt die Weltbank ein Zeichen für wissenschaftliche Exzellenz und internationale Zusammenarbeit in der Entwicklungsfinanzierung. Die Ernennung fällt in eine Zeit, in der die Rolle multilateraler Institutionen intensiv diskutiert wird und die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe auf dem Prüfstand steht.

