Am Freitag sind in Europa bei mindestens 16 Flügen Bombendrohungen eingegangen. Unter den betroffenen Maschinen waren auch Verbindungen nach Prag und Sofia. Insgesamt wurden am Freitag elf der bedrohten Flüge genannt, darunter jene nach Prag und Sofia. Vier Flugzeuge mussten ungeplant in Frankreich landen. Bei keinem der Flugzeuge wurden Sprengstoffe gefunden. Auch ein Flug der Ryanair von Lissabon nach Rom war von einer Drohung betroffen.
Die Serie reicht nach den vorliegenden Angaben bereits einige Tage zurück. Am Donnerstag waren fast 30 Flüge bedroht worden, überwiegend bei Billigfluggesellschaften. Am Dienstag traf es zehn innereuropäische Flüge; wie sich später herausstellte, waren auch diese Drohungen falsch. Bereits am Montag musste eine Maschine der Wizz Air nach einer Drohung umgeleitet werden. Die Abfolge der Drohungen über mehrere Tage und die Konzentration auf Billigfluggesellschaften gehören zu den Gründen, weshalb die Behörden die Vorfälle als zusammenhängend betrachten.
Auch Medienhäuser in Irland wurden ins Visier genommen. Nach Bombendrohungen mussten mehrere Redaktionen geräumt werden. Betroffen war unter anderem die Zentrale des öffentlich-rechtlichen Senders RTÉ in Dublin, wo bewaffnete Polizei im Einsatz war. Auch die Irish Independent, Newstalk, Today FM und Virgin Media wurden evakuiert. Auch an diesen Orten fanden sich keine Sprengsätze. Damit richteten sich die Drohungen nicht nur gegen den Luftverkehr, sondern auch gegen die Arbeit von Journalisten im Land.
Die Behörden bewerten die Vorfälle als zusammenhängend. Das deutsche Auswärtige Amt sieht ein koordiniertes Muster. Die irische Regierung spricht von einer wahrscheinlich koordinierten Kampagne zur Störung des öffentlichen Lebens. Ministerpräsident Simon Harris beschrieb die Lage als ernst. Mit dieser Einschätzung setzen sich die Regierungen in Berlin und Dublin ausdrücklich von der Lesart ab, es handle sich um vereinzelte Trittbrettfahrer.
Wer hinter den Drohungen steckt, ist bislang unklar. In einigen Schreiben wird die Gruppe «Fighters of the Male State» genannt, eine russische rechtsextreme Gruppierung. Eine Verbindung zu dieser Gruppe ist jedoch nach den vorliegenden Angaben noch nicht unabhängig bestätigt. Ein Experte des Genfer Zentrums für Sicherheitspolitik ordnet die Drohungen als Teil hybrider Angriffe ein, also als Mittel, Gesellschaften zu verunsichern, ohne dass ein klassischer militärischer Konflikt stattfindet. Mehrere EU-Staaten werfen Russland und dem Iran vor, Destabilisierungsversuche zu unternehmen. Eine Bestätigung dieser Vorwürfe im Zusammenhang mit den aktuellen Drohungen liegt bislang nicht vor.
Quelle: stern.de
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