Die Finanzsparte von Volkswagen gerät unter wachsenden Druck, weil gebrauchte Fahrzeuge mit Verbrennermotor deutlich an Wert verlieren. Kundinnen und Kunden wollen für solche Autos inzwischen vor allem niedrigere Preise zahlen, wie aus einem Bericht des Handelsblatts hervorgeht. Für Volkswagen Financial Services (VWFS) hat das unmittelbare Folgen, denn das Unternehmen kalkuliert seine Leasingangebote stark über die künftigen Restwerte der Fahrzeuge.
Sinkende Restwerte bedeuten für die Finanzsparte, dass ein Fahrzeug am Ende eines Leasingvertrags weniger einbringt als ursprünglich einkalkuliert. Die Differenz muss das Unternehmen tragen. Besonders betroffen sind Verbrennermodelle, deren Nachfrage auf dem Gebrauchtwagenmarkt nachlässt. Die Entwicklung trifft VWFS damit an einer empfindlichen Stelle, denn das Leasinggeschäft ist für den Konzern ein wichtiger Bestandteil seiner Finanzierungsangebote. Gerade bei Leasingrückläufern zeigt sich, wie schnell eine Kalkulation aus dem Gleichgewicht geraten kann, wenn der tatsächliche Erlös am Markt unter den Erwartungen liegt.
Hinzu kommt, dass die Verkäufe neuer Fahrzeuge schwächer ausfallen. Weniger Neuwagen bedeuten auch weniger neue Leasingverträge, was die Ertragslage der Finanzsparte zusätzlich belastet. Die Kombination aus fallenden Restwerten und rückläufigem Neugeschäft verschärft die Situation, mit der sich das Unternehmen auseinandersetzen muss. Für eine Finanzdienstleisterin, die von einem stetigen Strom neuer Verträge lebt, wiegt ein Rückgang im Neugeschäft besonders schwer, weil sich Verluste aus alten Verträgen dann nicht mehr durch frische Erträge ausgleichen lassen.
Die Führung von VWFS reagiert darauf mit einem Programm aus Kostensenkungen und einer Neuordnung der Organisation. Die Maßnahmen sollen die Finanzsparte widerstandsfähiger machen und die Abhängigkeit von schwankenden Gebrauchtwagenpreisen verringern. Über den genauen Umfang der Einschnitte liegen allerdings keine verlässlichen Angaben vor. Auch ob und in welchem Maß sich die Reorganisation auf Prozesse, Standorte oder Geschäftsfelder auswirkt, ist aus den vorliegenden Informationen nicht zweifelsfrei zu erkennen.
Die geplanten Veränderungen dürften auch die Belegschaft von VWFS betreffen. Welche Stellen konkret betroffen sein werden und in welchem Zeitraum die Schritte umgesetzt werden sollen, ist bislang nicht bekannt. Auch zu konkreten Summen, die durch die Sparmaßnahmen eingespart werden sollen, fehlen bisher genaue Zahlen. Ebenso bleibt offen, wie die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen auf die Pläne reagieren werden, da dazu im vorliegenden Material keine Stellungnahmen enthalten sind.
Der Fall zeigt, wie eng der Erfolg eines Autokonzerns mit der Entwicklung des Gebrauchtwagenmarkts verknüpft ist. Während der Wandel hin zur Elektromobilität die Nachfrage nach neuen Verbrennern bremst, sinkt zugleich der Wert der bereits auf den Straßen fahrenden Modelle. Für die Finanzdienstleister des Konzerns bedeutet das, ihre Kalkulationen regelmäßig an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Ob die eingeleiteten Schritte ausreichen, um die Ertragslage nachhaltig zu stabilisieren, dürfte sich erst im weiteren Verlauf zeigen.
Quelle: handelsblatt.com
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