Fifa-Präsident Gianni Infantino hat seinen Plan zur Öffnung des Weltverbands für private Investoren aufgegeben. Der Schweizer machte nach wochenlangem Widerstand mehrerer Konföderationen einen Rückzieher. Damit scheitert der Versuch, den Fußball-Weltverband grundlegend für externes Kapital zu öffnen. An der Spitze der Kritiker stand die Europäische Fußball-Union (Uefa), die nach übereinstimmenden Medienberichten sogar mit einem Boykott des Vorhabens gedroht hatte.

Die umstrittenen Pläne hatten vorgesehen, strategische Finanzpartner an den Vermarktungsrechten künftiger Fußball-Weltmeisterschaften zu beteiligen. Infantino präsentierte das Modell als notwendigen Schritt, um die steigenden Ausgaben für Turniere, Preisgelder und Entwicklungsprogramme dauerhaft zu sichern. Die WM-Rechte gelten als wichtigste Einnahmequelle der Fifa und sind bei Finanzinvestoren entsprechend begehrt. Schon im Vorfeld hatten mehrere Verbände gewarnt, dass ein Einstieg privater Geldgeber die Eigenständigkeit des Weltverbands gefährden könnte.

Gegen die Öffnung formierte sich in den zurückliegenden Wochen breiter Widerstand. Neben der Uefa, die ihre Mitgliedsverbände mobilisierte, meldeten auch Konföderationen aus Südamerika, Asien und Afrika Vorbehalte an. Sie befürchteten, dass private Geldgeber künftig Einfluss auf die Terminplanung, die Wettbewerbsformate und die Verteilung der Einnahmen nehmen könnten. Genau diese Mitspracherechte wollten die Verbände den Investoren nicht einräumen.

Die Uefa ging in dem internen Machtkampf besonders weit. Nach übereinstimmenden Berichten drohte der europäische Dachverband öffentlich mit einem Boykott, falls Infantino an dem Modell festhalten sollte. Ein offener Bruch zwischen der Fifa-Spitze und der mächtigsten Kontinental-Konföderation hätte den Fußball-Weltverband in eine tiefe Krise stürzen können, zumal der geplante Umgang mit den wichtigsten Turnier-Rechten auf dem Spiel stand.

Fachleute werten den Verzicht auf die Investorenpläne nun als politische Niederlage für Infantino. In der Einschätzung von Sportökonomen ging es dem Fifa-Chef bei dem Vorstoß vor allem um Machterhalt. Private Investoren hätten im Gegenzug für ihr Kapital üblicherweise Kontrollrechte und Mitsprache verlangt, was den Handlungsspielraum des Präsidenten deutlich eingeschränkt hätte. Der Rückzieher sichert ihm dagegen weitgehend freie Hand und lässt die Machtbalance im Weltverband unangetastet.

Zugleich stellt der Kurswechsel die bisherige Strategie der Fifa-Spitze infrage. Infantino hatte die mögliche Zusammenarbeit mit privaten Geldgebern immer wieder als zentralen Baustein einer modernisierten und finanziell breiter aufgestellten Organisation angepriesen. Dass er nun vor dem Widerstand der Konföderationen eingeknickt ist, dürfte seine Position innerhalb des Verbands nachhaltig schwächen. In Fußballkreisen ist bereits von einem Sieg der Verbände gegen die eigene Führung die Rede.

Offen bleibt, wie die Fifa die wachsenden Anforderungen künftiger Turniere ohne zusätzliche private Kapitalquellen finanzieren will. Die Organisation hat ihre Ausgaben in den vergangenen Jahren spürbar ausgeweitet und ist bei der Finanzierung stärker auf die Vermarktung der Weltmeisterschaften angewiesen. Die Konföderationen dürften nun darauf drängen, bei der künftigen Finanzplanung enger eingebunden zu werden. Der Verzicht bedeutet allerdings nicht, dass die Debatte über neue Finanzierungsmodelle endgültig beendet ist.

Für Infantino ist die Entwicklung ein deutliches Signal: Grundlegende Kursänderungen sind künftig nur noch im Einklang mit den Regionalverbänden durchsetzbar. Die Uefa und ihre Partner haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie bereit sind, ihre Interessen mit Nachdruck zu verteidigen — notfalls auch gegen die Fifa-Spitze selbst. Ob sich der Weltverband künftig neuen Finanzierungsmodellen öffnet, hängt damit vor allem von der Zustimmung der Konföderationen ab, und eine Rückkehr zu derartigen Plänen dürfte vorerst vom Tisch sein.