Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und sein US-Amtskollege Pete Hegseth haben in Washington eine Absichtserklärung über eine deutlich verstärkte Zusammenarbeit bei Rüstungsprojekten unterzeichnet. Das Treffen im Pentagon bildete den Auftakt einer dreitägigen USA-Reise des deutschen Ministers. Beide Seiten wollen ihre Verteidigungsindustrien enger verzahnen und gemeinsam auf die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen reagieren.
«Deutschland und die Vereinigten Staaten sind sich einig, dass die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen eine robuste und zum gegenseitigen Nutzen eng verzahnte Verteidigungsindustriebasis auf beiden Seiten des Atlantiks erfordern», teilte das deutsche Verteidigungsministerium nach dem Gespräch mit. Die Vereinbarung setze einen politischen Rahmen für künftige gemeinsame Vorhaben. Sie umfasst Entwicklung, Produktion, Lizenzfertigung und Instandhaltung von Rüstungsgütern. Zudem sollen die Lieferketten gestärkt, die Regelungen zum Technologietransfer überprüft und die Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung ausgebaut werden.
Beide Länder verfügten über leistungsstarke Verteidigungsindustrien, die sich bei der Herstellung hochmoderner Waffensysteme, Komponenten und komplexer Munition künftig noch stärker ergänzen könnten und sollten, hieß es weiter. Der hohe Bedarf an Rüstungsgütern erfordere erhöhte Produktionskapazitäten, kurze Lieferzeiten und eine verlässliche Versorgung auf beiden Seiten des Atlantiks, um die Versorgungssicherheit und Einsatzfähigkeit der Allianz zu gewährleisten.
Vor dem Treffen mit Hegseth hatte Pistorius auf die bestehende Zusammenarbeit beim Tarnkappenjet F-35 und die geplante Fertigung von Lenkflugkörpern für das Luftverteidigungssystem Patriot in Deutschland verwiesen. «Doch unser gemeinsames Potenzial reicht weiter. Deutschland verfügt über eine leistungsfähige industrielle Basis, bestens ausgebildete Fachkräfte und technologische Spitzenkompetenz. Hiermit können wir weitere Produktionskapazitäten schaffen», erklärte der SPD-Politiker. Wenn die USA und Deutschland ihre Stärken noch enger zusammenführten, könnten Systeme für Abschreckung und Verteidigung schneller und in größerer Zahl bereitgestellt werden. «Damit stärken wir die Einsatzbereitschaft Deutschlands, der Vereinigten Staaten und des gesamten Bündnisses», so Pistorius.
Die Bundesregierung will in den USA auch Marschflugkörper des Typs Tomahawk kaufen. Am Rande des Nato-Gipfels in Ankara im Juli war bereits eine grundsätzliche Einigung darüber erzielt worden. Ein weiteres wichtiges Thema der Gespräche ist die Frage, ob und wie die US-Streitkräfte ihre Truppenpräsenz in Europa verändern. Diese Präsenz gilt als wichtig für Abschreckung und Verteidigung. Deutschland hat der Nato als Ersatz für bislang garantierte Fähigkeiten des US-Militärs in Europa Schiffe, Kampfflugzeuge und unbemannte Waffensysteme angeboten. Der deutsche Minister forderte in der Vergangenheit zudem einen Zeitplan für die Übernahme von Aufgaben.
Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington besucht. Im Mai dieses Jahres war er in Nordamerika, wo er in Kanada für eine Rüstungskooperation rund um deutsche U-Boote warb. Ein Treffen mit Hegseth gab es damals nicht, da dieser sich in Singapur beim Shangri-La-Dialog aufhielt, der wichtigsten Sicherheitskonferenz Asiens. Der spätere Zeitpunkt des jetzigen Treffens könnte sich als positiv erweisen, denn die USA haben ihre Tonlage gegenüber Deutschland geändert. Lange hatten US-Präsident Donald Trump und seine Minister die Bundesregierung scharf kritisiert und ihr vorgeworfen, wie andere europäische Staaten nicht genug für die eigene Verteidigung zu tun.
Deutschland hat jedoch kräftig umgesteuert. Im August lobte US-Staatssekretär Elbridge Colby im Nato-Hauptquartier die Bundesrepublik als Modell für andere Verbündete. Was Deutschland in den vergangenen 18 Monaten angestoßen habe, sei «eine außergewöhnliche tektonische Verschiebung», ein «historischer Wandel», erklärte er. Deutschland sei von einer weitgehenden Demilitarisierung zu einer schnellen Wiederbewaffnung übergegangen. Man erlebe zudem ein sehr kooperatives Deutschland und führe sehr ergebnisorientierte Diskussionen über gemeinsame Rüstungsprojekte.

