Die US-Regierung hat eingeräumt, dass die Renovierung des Reflecting Pool am Lincoln Memorial in Washington mangelhaft ausgeführt wurde. Das Justizministerium stellte deshalb das Strafverfahren gegen den früheren Olympioniken David Hearn ein, dem vorgeworfen worden war, das berühmte Becken beschädigt zu haben. Der Schritt folgt auf neue Unterlagen des Innenministeriums, die die Ursache der Schäden belegen.
Präsident Donald Trump hatte die nach der Renovierung aufgetretenen Schäden wiederholt Vandalen zugeschrieben. Diese Darstellung hält der neuen Beweislage nicht stand. Hearn war in diesem Zusammenhang angeklagt worden, obwohl die nun vorliegenden Dokumente ein anderes Bild zeichnen. Die rund 14 Millionen Dollar teure Instandsetzung des Pools war von Trump persönlich veranlasst worden und stand unter erheblichem Zeitdruck.
Aus einem neuen Gerichtsantrag des Büros der US-Staatsanwältin von Washington, D.C., Jeanine Pirro, geht hervor, dass die Schäden im Juni 2026 auf eine mangelhafte Installation durch den Auftragnehmer Atlantic Industrial Coatings zurückgehen. Zusätzlich habe die Eile eine entscheidende Rolle gespielt: Das Projekt sollte unbedingt vor den Veranstaltungen abgeschlossen sein, die im Rahmen der «America 250»-Feierlichkeiten in den Wochen rund um den Unabhängigkeitstag 2026 stattfanden.
In dem Antrag heißt es: «Erst nach der Einreichung der Anklageschrift legte das Innenministerium der US-Staatsanwaltschaft in Washington zusätzliche Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, dass die Beschädigung des Reflecting Pools am Lincoln Memorial im Juni 2026 auf eine mangelhafte Installation durch den Auftragnehmer Atlantic Industrial Coatings sowie der Eile, das Projekt noch vor den Veranstaltungen im Rahmen der America-250-Feierlichkeiten in den Wochen rund um den Unabhängigkeitstag 2026 fertigzustellen, zurückzuführen ist.»
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Erkenntnis: Das Innenministerium legte die entscheidenden Dokumente demnach erst vor, nachdem die Anklage gegen Hearn bereits eingereicht worden war. Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Anklage also auf einer unvollständigen Grundlage erhoben. Der frühere Olympionike war damit dem Vorwurf ausgesetzt, das Wahrzeichen mutwillig beschädigt zu haben. Die Einstellung des Verfahrens entlastet ihn nun vollständig.
Der Fall hat auch eine politische Dimension. Trump hatte wiederholt von Vandalen gesprochen und damit den Eindruck erweckt, die Schäden am Pool seien das Werk von Zerstörern gewesen. Die eigene Regierung korrigiert diese Darstellung nun offiziell. Nach den neuen Erkenntnissen haben fehlerhafte Arbeit des Auftragnehmers und der Druck, das Prestigeprojekt rechtzeitig fertigzustellen, die Schäden verursacht – nicht vorsätzliches Handeln.
Der Reflecting Pool zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen der US-Hauptstadt und ist ein zentraler Ort der National Mall. Die Renovierung mit einem Volumen von 14 Millionen Dollar war Teil der Vorbereitungen auf die «America 250»-Feierlichkeiten, mit denen die USA im Sommer 2026 den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit begingen. Die Veranstaltungen rund um den 4. Juli setzten die Arbeiten unter enormen zeitlichen Druck.
Ob die Behörden Konsequenzen gegenüber dem Auftragnehmer Atlantic Industrial Coatings ziehen, geht aus dem Gerichtsantrag nicht hervor. Der Fall zeigt jedoch, wie ein öffentlich mit großer Überzeugung vorgetragener Vorwurf kippen kann, sobald die Akten vollständig gesichtet sind. Für David Hearn endet das Kapitel mit einem Erfolg: Die Vorwürfe sind vom Tisch, das Verfahren ist eingestellt.
