In der Straße von Hormus soll nach Darstellung der iranischen Revolutionsgarden ein Öltanker auf eine Seemine gefahren und explodiert sein. Der staatliche Rundfunk Irib berichtete unter Berufung auf die Revolutionsgarden, das Schiff «El Gaia» sei auf der verminten südlichen Route durch die Meerenge unterwegs gewesen. Nach der Detonation habe der gesamte Tanker in Flammen gestanden. Wann sich der Vorfall ereignet haben soll, wurde nicht mitgeteilt.
Nach Angaben der Revolutionsgarden befand sich offenbar eine 14-köpfige indische Crew an Bord. Die indische Botschaft in Oman hatte bereits am Sonntag erklärt, dass 13 indische Besatzungsmitglieder bei einem Einsatz in der Nacht zum Sonntag gerettet worden seien. Ein weiteres vermisstes Crewmitglied aus Indien werde weiterhin gesucht. Die Marineführung der Revolutionsgarden teilte mit: «Die Straße von Hormus ist geschlossen und bleibt unter unserer Kontrolle.» Sie habe zuvor vor dem Befahren der südlichen Route gewarnt. Die Marine habe die südliche Passage vermint, lediglich eine nördliche Route entlang der iranischen Küste für sicher erklärt und verlange Gebühren für die Durchfahrt.
Das U.S. Central Command widersprach der iranischen Darstellung kurz darauf. Der betroffene Tanker sei bereits im vergangenen Monat von einer iranischen Rakete getroffen und nun erneut von einer Drohne angegriffen worden. Gegenwärtig werde das manövrierunfähige Schiff von einem regionalen Partner abgeschleppt. Damit stehen sich zwei völlig unterschiedliche Versionen des Geschehens gegenüber.
Die Straße von Hormus ist im Iran-Krieg zum zentralen Streitpunkt zwischen Teheran und Washington geworden. Vor dem Krieg lief rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung durch die Meerenge. Auch Flüssiggas und Dünger aus den Golfstaaten werden über die Route exportiert. Ein für diesen Montag geplantes Außenministertreffen der Staaten am Persischen Golf über die Straße von Hormus wurde kurzfristig abgesagt.
Die widersprüchlichen Angaben verdeutlichen die angespannte Lage in der Region. Während Iran die Meerenge als geschlossen bezeichnet und nur eine nördliche Route unter seinen Bedingungen zulässt, bestreiten die USA die Darstellung eines Minentreffers. Die internationale Schifffahrt steht damit vor erheblicher Unsicherheit. Die Bedeutung der Wasserstraße für den Welthandel macht den Konflikt auch über die Region hinaus brisant.

