Im Fall des vereitelten Drohnenanschlags auf den Flughafen Leipzig/Halle gerät nun auch Italien in den Fokus. Einer der mutmaßlichen Täter soll im Besitz eines italienischen EU-Visums gewesen sein. Italiens Außenminister kündigte daraufhin eine Überprüfung der Visavergabe an. Die genauen Umstände, unter denen das Visum erteilt wurde, sind bislang unklar.

Die Bundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt ermitteln bereits seit Wochen zu dem Anschlagsversuch Anfang August. Nach übereinstimmenden Medienberichten von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung haben die Ermittler inzwischen zwei Tatbeteiligte identifiziert. Dabei handelt es sich demnach um einen gebürtigen Russen mit lettischem Pass sowie um einen Mann aus Belarus mit russischem Pass. Beide sollen für die Planung und Vorbereitung des Drohnenangriffs verantwortlich sein.

Der Anschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle, einer der wichtigsten Frachtflughäfen Deutschlands, konnte nach bisherigen Erkenntnissen rechtzeitig vereitelt werden. Eine mit Sprengstoff bestückte Drohne war auf dem Gelände entdeckt worden. Die Behörden gehen von einem gezielten Sabotageakt aus, der mutmaßlich im Zusammenhang mit russischen Aktivitäten in Deutschland steht. Die genauen Hintergründe und die Frage, ob weitere Personen beteiligt waren, sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Die Bundesregierung hatte nach dem Vorfall neue Sanktionen gegen Russland verhängt. Moskau reagierte darauf mit diplomatischem Protest: Das russische Außenministerium bestellte den Geschäftsträger der Deutschen Botschaft ein. Zur Begründung hieß es, es gehe um „antirussische Handlungen und Äußerungen der deutschen Führung“. Die Maßnahmen Berlins seien nicht hinnehmbar, teilte das Ministerium mit.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Deutschland unterdessen Hilfe bei der Aufklärung des Anschlagsversuchs angeboten. Die Ukraine verfüge über Erfahrungen im Umgang mit Drohnenangriffen und könne technische sowie logistische Unterstützung leisten, hieß es aus Kiew. Ob Deutschland das Angebot annimmt, ist offen.

Der Fall hat auch eine europäische Dimension: Die Tatsache, dass einer der Verdächtigen offenbar mit einem italienischen Visum nach Europa einreisen konnte, wirft Fragen nach der Sicherheit des Schengen-Raums auf. Italien will nun prüfen, ob bei der Vergabe des Visums Fehler gemacht wurden. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten Auswirkungen auf die Visa-Praxis gegenüber russischen und belarussischen Staatsbürgern haben.

Die Ermittlungen zu dem Drohnenanschlag dauern an. Das Bundeskriminalamt arbeitet nach eigenen Angaben eng mit den Sicherheitsbehörden der Länder zusammen, um die genauen Umstände der Tat und mögliche weitere Beteiligte zu klären. Die Öffentlichkeit wurde gebeten, Hinweise zu den identifizierten Tatverdächtigen zu melden.

Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.