Die niederländische Zentralbank DNB hat einen Großteil ihrer Goldreserven aus Nordamerika abgezogen und nach London verlagert. Insgesamt 86 Tonnen des Edelmetalls wurden zwischen März und August aus den USA und Kanada transferiert, wie die Notenbank am Mittwoch mitteilte. Als Begründung verwies sie auf die angespannte Weltlage und den Wunsch, die eigene Krisenvorsorge zu stärken.
In New York lagerten bislang gut 31 Prozent der niederländischen Goldbestände, nun sind es nur noch 18,5 Prozent. Auch aus Kanada wurden Reserven abgezogen, dort ging der Anteil von 19,7 auf ebenfalls 18,5 Prozent zurück. Die Bestände werden künftig in London aufbewahrt, das gemeinsam mit New York als wichtigster Goldhandelsplatz der Welt gilt. Die Niederlande verfügen insgesamt über 313 Tonnen Gold.
„Angesichts zunehmender geopolitischer Unruhen arbeitet die DNB daran, ihre Krisenvorsorge zu stärken“, hieß es in einer Mitteilung der Zentralbank. Auf die Frage, ob der Schritt auch als Reaktion auf die politischen Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf die unabhängige US-Notenbank Fed zu verstehen sei, ging die DNB nicht ein. Bereits im Vorjahr hatte die niederländische Notenbank jedoch gewarnt: „Wenn das in Europa vorkäme, würde man sich Sorgen machen“, sagte sie damals mit Blick auf Trumps Attacken gegen die Fed.
Zentralbankchef Olaf Sleijpen erklärte: „Mit diesem Schritt haben wir die Einsatzfähigkeit der Goldreserve verbessert. Wir gehen zwar davon aus, dass wir das Gold niemals einsetzen müssen, doch ist dies notwendig, um unsere Widerstandsfähigkeit und Vorsorge zu stärken.“ Die Verlagerung war bereits seit Monaten vorbereitet worden und wurde nun offiziell bestätigt.
Die deutsche Bundesbank sieht bislang keinen Anlass, auf die politische Situation in den USA zu reagieren. Die Goldbestände der Bundesbank von 3.350 Tonnen sind die zweitgrößten weltweit nach denen der USA. 51 Prozent der deutschen Goldreserven liegen in Frankfurt am Main, rund 37 Prozent werden in New York gebunkert und gut zwölf Prozent in London. Eine Verlagerung größerer Bestände nach Deutschland oder an andere Orte ist nach Angaben der Bundesbank derzeit nicht geplant.
Die Entscheidung der Niederlande fällt in eine Zeit wachsender Diskussionen über die Sicherheit von Goldreserven, die viele Zentralbanken im Ausland lagern. Während die Lagerung in den USA lange als besonders sicher galt, haben die politischen Spannungen und die wiederholten Angriffe Trumps auf die Fed Zweifel an der Verlässlichkeit des Standorts geweckt. London profitiert nun von der Umschichtung und festigt seine Position als zentraler Umschlagplatz für das Edelmetall.
Beobachter werten den Schritt der Niederlande als Signal für andere europäische Notenbanken, ihre Lagerstrategie zu überdenken. Die DNB selbst betont jedoch, dass die Verlagerung allein der Vorsorge diene und keine Zweifel an der Sicherheit der bisherigen Standorte bestünden. Man gehe davon aus, dass das Gold niemals eingesetzt werden müsse, so die Zentralbank.

