Die jüngste Personalrochade von CDU-Chef Friedrich Merz hat in den eigenen Reihen erheblichen Unmut ausgelöst. Nach einer Reihe von Wechseln, die eigentlich kaum wahrgenommen werden sollten, hat Merz ohne Not zahlreiche Landesverbände gegen sich aufgebracht. In der Partei und in den sozialen Medien kursiert deshalb ein Vergleich mit dem bekannten Loriot-Sketch «Das Bild hängt schief», in dem eine kleine Ungeschicklichkeit eine Kaskade des Scheiterns auslöst.

Der Tiefpunkt der Personalentscheidungen war aus Sicht vieler Parteimitglieder die Behandlung der sächsischen Bundestagsabgeordneten Christiane Schenderlein. Merz hatte die Sport-Staatsministerin zunächst aus ihrem Amt entfernt, um sie nach lautstarken Protesten aus Sachsen im Gesundheitsministerium unterzubringen. Dort verdrängte sie den Fachpolitiker Tino Sorge, der aus dem wahlkämpfenden Sachsen-Anhalt stammt und ebenfalls deutlich protestierte. Kritiker werteten das Vorgehen als handwerklich schwach.

Die Wucht der Kritik aus den eigenen Reihen überraschte selbst langjährige Beobachter. Der Spruch «Feind, Todfeind, Parteifreund» übertreibt zwar, doch sein Kern stimmt: Parteifreunde sind oft die gefährlichsten Kritiker. Die Kritik an Merz erklärt sich nach Einschätzung von Beobachtern aus zwei Gründen. Zum einen hängt der berufliche Erfolg von Parteifreunden stark von der Beliebtheit ihres Chefs ab: Steht der Vorsitzende schlecht da, droht auch den Abgeordneten bei der nächsten Wahl der Verlust des Mandats. Zum anderen sehen viele in der Union in der Personalrochade einen weiteren Fehler in einer langen Reihe von Fehlentscheidungen. Selbst wohlwollende Kritiker könnten nicht mehr erkennen, dass Merz aus seinen Fehlern lernt oder lernen will.

Allerdings fiel die Kritik nach Einschätzung mehrerer Kommentatoren auch ein wenig unfair aus, weil sie die gelungenen Teile der Rochade ausblendete. So wurde Jens Spahn als Fraktionschef ausgewechselt, und das Bundeskanzleramt neu aufgestellt. Beides war nach Ansicht vieler in der Union längst überfällig. Thorsten Frei, der zuvor das Kanzleramt geführt hatte, übernimmt nun die Führung der Unionsfraktion – ein Schritt, den Parteifreunde schon lange angemahnt hatten, weil sie Frei im Kanzleramt für falsch besetzt hielten. Zugleich galt Frei in der Regierung als mitverantwortlich dafür, dass sich Schwarz-Rot so lange nicht auf ein Reformpaket verständigen konnte.

Auch der Bund-Länder-Koordinator Michael Meister war zuvor in die Kritik geraten; viele Länder fühlten sich chronisch schlecht eingebunden. Beide seien nicht für alles verantwortlich, was in der Regierung schiefgelaufen sei, wohl aber für einen guten Teil, schlicht aufgrund ihres Amtes, heißt es in der Partei.

Mit der Neuaufstellung bricht Merz nach Ansicht von Beobachtern zugleich die Männerriege an der Spitze auf. Mit Nina Warken wird erstmals eine Frau Chefin des Bundeskanzleramts. Merz schätzt sie aus der gemeinsamen Zeit in der Opposition, als sie eine der Parlamentarischen Geschäftsführerinnen der Unionsfraktion war, während Merz die Fraktion führte. Seit dieser Wahlperiode ist Warken zudem Vorsitzende der Frauen Union.

Mit Franziska Hoppermann wird außerdem eine Frau neue Generalsekretärin der CDU, die dem liberalen Flügel zugerechnet wird. Hoppermann gehört dem Sozialflügel CDA an, der unter Merz bislang kaum Einfluss hatte. Bei ihrer Vorstellung nannte sie unter anderem den früheren CDU-Generalsekretär Heiner Geißler als Vorbild.

Damit beginne Merz, einen der gewichtigsten Fehler seiner Amtszeit als CDU-Chef zu korrigieren, heißt es in der Partei. Lange habe er die CDU auf eine strikte Abgrenzung von Angela Merkel getrimmt; Anhängerinnen und Anhänger der früheren Kanzlerin konnten unter seiner Führung kaum noch Karriere machen. Soziale und liberale Strömungen habe er klein gehalten, die Partei auf konservative und wirtschaftsnahe Teile verengt. Diese Schieflage korrigiert Merz nun – allerdings so tollpatschig, dass in der Union erneut der Vergleich mit dem Loriot-Sketch kursiert.