Der Deutsche Alpenverein (DAV) schlägt wegen der aktuellen Trockenheit Alarm: Auf fast allen Hütten in den Alpen gibt es derzeit Wassermangel. Betroffen ist auch die Blaueishütte bei Berchtesgaden, wo Trinkwasser in diesen Tagen per Hubschrauber auf den Berg geflogen wird. DAV-Sprecher Julian Rohn spricht von einer «neuen Dimension» der Wasserknappheit.
Die Betreiber der Blaueishütte haben ihre Waschräume geschlossen. Trinkwasser wird nur noch in PET-Flaschen abgegeben, und zwar gegen eine Gebühr. «Wir müssen leider unsere Waschräume geschlossen halten und können Trinkwasser nur in PET-Flaschen gegen Gebühr abgeben», teilten sie mit und baten die Gäste um Verständnis. Auf diese Weise soll der Küchenbetrieb auf der Hütte aufrechterhalten werden.
Die Vorsitzende der DAV-Sektion Berchtesgaden, Gabi Schieder-Moderegger, bezeichnete die Lage als beispiellos. «Wir haben noch nie den Fall gehabt, dass die Quellen nicht mehr geschüttet haben», sagte sie. Dies sei in diesem Jahr das erste Mal. Zwar habe sie sich vorbereitet und einen Notfallplan aufgestellt, weil bereits im Frühjahr statt reißender Bäche nur Rinnsale die Hänge hinabgeflossen seien. «Dass das aber so schnell geht, innerhalb einer Woche, damit haben wir nicht gerechnet.»
Auch der DAV-Sprecher sieht in der Entwicklung eine drastische Zuspitzung. «Das ist leider bittere Realität, dass das Wasser ausgeht», sagte Rohn mit Blick auf andere Regionen der Alpen. Besonders problematisch sei, dass die Saison noch relativ jung ist. Als Konsequenz müssen vielerorts Wassersparmaßnahmen greifen: Waschräume bleiben geschlossen, wasserintensive Spültoiletten werden durch Trockentoiletten ersetzt.
Schon in der Vergangenheit hatte Wasserknappheit einzelne Hüttenwirte vor große Herausforderungen gestellt. Die Neue Prager Hütte in den Hohen Tauern etwa musste bereits zweimal im August vorzeitig schließen. In diesem Jahr ist die Lage nach zwei schneearmen Wintern und einer langen Trockenperiode ohne nennenswerte Niederschläge besonders angespannt. «Im Moment betrifft es flächendeckend alle», berichtete Rohn. Allerdings sei die Situation auch immer vom lokalen Wetter abhängig.
Die Sektionen des Deutschen Alpenvereins unterhalten rund 320 Hütten, gut zwei Drittel davon in den deutschen und österreichischen Alpen. Üblicherweise werden sie über oberflächennahe Wasservorkommen aus Niederschlägen oder Schmelzwasser von Schneefeldern und Gletschern versorgt. Durch den Klimawandel steht aber Jahr für Jahr weniger Wasser zur Verfügung. Vor allem hochalpine Hütten leiden unter den Veränderungen. Versiegt eine wichtige Wasserquelle, zieht das oft einen kompletten Umbau der Hütte nach sich.
Als Gegenmaßnahmen gelten neben dem Einbau von Trockentoiletten auch Duschen nur gegen Gebühr oder der bewusste Verzicht auf unnötige Spülgänge, etwa durch das Weglassen von Untertassen oder kleinen Schälchen für Marmelade beim Frühstück. Das Watzmannhaus hat angekündigt, den Waschraum morgens und abends nur noch für jeweils zwei Stunden zu öffnen. An den Toiletten stehen Desinfektionsmittel bereit, während die Wasserhähne abgedreht sind.
In den Berchtesgadener Alpen hat die Sektion die Toiletten- und Waschräume abgesperrt und unter anderem mobile Baustellentoiletten auf den Berg fliegen lassen. Diese werden ohne die übliche Flüssigkeit betrieben, sodass die Fäkalien in die hauseigene Kläranlage gepumpt werden können. Als Trinkwasser dient mit UV-Anlagen aufbereitetes Regenwasser, das etwa bei Gewittern vom Dach gesammelt wird.
Die meisten Gäste reagieren nach Angaben von Schieder-Moderegger verständnisvoll auf die Einschränkungen. Es gebe aber auch Beschwerden, warum es keine Dusche gebe oder Trinkwasser kostenpflichtig sei. Für einen Liter Trinkwasser werden auf der Blaueishütte vier Euro fällig. «Die Wirte müssen das mit dem Heli hochfliegen», betonte die Sektionsvorsitzende. Eine Minute Heliflug koste 31 Euro, der Anflug zusätzlich 600 Euro. «Irgendwo müssen sie das wieder hereinholen.» Andernfalls bleibe nur eine Alternative: zusperren.
