Fast die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland spricht sich für eine Altersgrenze bei der Nutzung sozialer Medien aus. Das ergab eine Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) unter Zwölf- bis 17-Jährigen, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Demnach befürworten 47 Prozent der Befragten ein Verbot bis zu einer bestimmten Altersgrenze; im Schnitt nannten sie 14 Jahre. Weitere acht Prozent unterstützen ein grundsätzliches Verbot für Kinder und Jugendliche. Insgesamt sind damit 55 Prozent zumindest in Teilen für eine solche Regelung, während 39 Prozent sie ablehnen.
Trotz dieser Forderungen bewertet die große Mehrheit der Jugendlichen die sozialen Medien positiv: 80 Prozent gaben an, dass diese ihnen insgesamt eher gut oder sehr gut tun. TK-Vorstandsvorsitzender Jens Baas plädierte angesichts der Ergebnisse für eine Lösung, die sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte berücksichtigt. Soziale Netzwerke seien Orte des Austauschs mit Freunden und dienten als Informationsquelle, sagte Baas. Gleichzeitig existierten dort Fakenews, Cybermobbing und mental belastende Inhalte.
Die Umfrage zeigt auch, was Jugendliche in sozialen Medien besonders belastet. Am häufigsten nannten die Befragten Werbung (57 Prozent) und Fakenews (52 Prozent) als nervig oder stressig. 36 Prozent gaben an, zu viel Zeit online zu verbringen, 35 Prozent klagten über Mobbing und Beleidigungen. 31 Prozent berichteten von unangemessenen Bildern, etwa mit Gewaltdarstellungen.
Ein möglicher Zusammenhang zeigt sich zwischen der Nutzungsdauer und dem Wohlbefinden der Jugendlichen. Von denjenigen, die täglich mindestens vier Stunden in sozialen Medien verbringen, berichteten 49 Prozent, oft oder ständig schlechte Laune zu haben. Bei Jugendlichen mit einer Nutzungszeit von ein bis zwei Stunden lag dieser Anteil nur bei 20 Prozent. Auch Unsicherheiten, Probleme mit dem Selbstbild, Gereiztheit, Unruhe und Erschöpfung traten bei intensiverer Nutzung häufiger auf. Gleiches gilt für Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Verspannungen und gereizte Augen.
Die Jugendlichen haben auch konkrete Vorstellungen, wie eine sichere Mediennutzung gefördert werden kann. 48 Prozent fänden Lernvideos zu den Gefahren sozialer Medien hilfreich, 46 Prozent wünschen sich Ansprechpartner oder Medienscouts an Schulen. Mehr Elterngespräche befürworten 43 Prozent der Befragten, und 42 Prozent sehen Social-Media-Workshops als mögliches Hilfsangebot. Nur zwölf Prozent der Jugendlichen waren der Meinung, dass keine Unterstützung nötig sei.

