Nach dem Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung drohen Erpresser mit der Veröffentlichung gestohlener Daten. Welche Gefahren davon ausgehen, erläutert der IT-Administrator Joachim Selzer, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Den Hackern selbst gehe es in erster Linie um Erpressung, so Selzer. „Die Drohung ist im Moment, dass sie die Daten wie zum Beispiel Passwörter auf dem Schwarzmarkt verkaufen“, sagte er. „Wenn sie sich nicht völlig unglaubwürdig machen wollen, dann werden sie das auch tun.“
Welche Folgen der Verkauf haben könnte, hängt nach Einschätzung des Experten von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend sei, ob die Angreifer an die Passwörter im Klartext gelangt sind oder nur in verschlüsselter Form als sogenannte Hashes. „Wenn sie ein Klartextpasswort haben, können sie es sofort verwenden und irgendwelche Seiten hacken“, erklärte Selzer. Anders sei es, wenn die Passwörter nur in verschlüsselter Form verkauft würden. „Dann müssten die Leute, die diese Hashes bekommen, erst mal versuchen, sie zu knacken. Das ist dann schon mit etwas höherem Aufwand verbunden.“
Passwörter sind jedoch nicht das einzige Diebesgut, für das Kriminelle im Darknet Geld bezahlen. „Es kann es noch um andere Daten gehen, zum Beispiel aus Bußgeldbescheiden oder Justizakten“, sagte Selzer. „Ganz allgemein kann jedes intime Wissen von Angreifern genutzt werden, um einen Identitätsdiebstahl durchzuführen.“ Dabei nutzen Kriminelle gestohlene oder illegal erworbene Daten für gezielten Betrug im Internet – etwa, um unter fremder Identität einzukaufen oder Verträge abzuschließen. „Je mehr ich von einer Person weiß, desto besser kann ich mich als diese Person ausgeben und im Namen dieser Person irgendwelche Sachen zu deren Nachteil machen“, so der CCC-Sprecher.
Auch Erpressungsversuche seien denkbar. „Indem ich sage, ich habe hier folgendes Wissen von dir, das ist ja ein bisschen peinlich, was da alles zu finden ist“, erklärte Selzer. „Also zum Beispiel diesen Stress, den du mit der Berliner Polizei hast. Wenn du nicht willst, dass ich das veröffentliche, dann zahl mal bitte.“
Immer wieder gebe es zudem Kriminelle, die sich per Mail meldeten und behaupteten, sie hätten den Computer einer Person geknackt und Daten heruntergeladen, nannte Selzer eine weitere Variante. „Zum Beleg, dass sie Daten haben, nehmen sie beispielsweise Mails, die im Rahmen eines Justizverfahrens mit der Berliner Verwaltung ausgetauscht wurden.“ Die auf dem Schwarzmarkt gekauften Daten würden dann genutzt, um einen tatsächlich nicht stattgefundenen Einbruch auf dem Zielrechner einer Person vorzutäuschen und Lösegeld zu verlangen.
Der Angriff auf das Datennetz der Berliner Verwaltung wurde am 14. August bekannt. Bisher gibt es keine offiziellen Angaben dazu, wer hinter der Cyberattacke steckt und um welche Daten es sich in welchem Umfang handelt. Am Freitag hatten Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) über einen Erpressungsversuch informiert. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ haben die Erpresser mit der Veröffentlichung von Daten gedroht, falls sich das Land Berlin nicht auf ihre Forderungen einlasse. Für den Hackerangriff sei die bereits seit mehreren Jahren aktive Gruppierung Rhysida verantwortlich, die für Erpressungsversuche eine entsprechende Schadsoftware einsetze. Wegner hat angekündigt: „Das Land Berlin wird sich nicht erpressen lassen.“

