Die IG Metall hat am Montag mit einem bundesweiten Aktionstag ein deutliches Zeichen gegen den Stellenabbau in der Automobilindustrie gesetzt. An mehr als 200 Orten in ganz Deutschland fanden Proteste statt, zu denen die Gewerkschaft aufgerufen hatte. Nach Angaben der IG Metall wurden über 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Im VW-Stammwerk in Wolfsburg versammelten sich Beschäftigte, um Arbeitgebern und Politik zu zeigen, dass sie die aktuelle Entwicklung nicht länger hinnehmen wollen.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner kritisierte bei der Aktion in Wolfsburg die Vorstände der deutschen Autohersteller und Zulieferer scharf. «Wie hier bei VW versammeln sich heute überall im Land Beschäftigte der Automobil- und Zuliefererindustrie, um Arbeitgebern und Politik zu zeigen, dass es ihnen reicht», sagte Benner. «Überall brennt gerade die Hütte.» Unternehmen wie Volkswagen, BMW, Audi, Bosch, Mercedes und Porsche hätten einst für tolle Autos und gute Qualität gestanden, die in die ganze Welt exportiert worden seien. Die Beschäftigten seien stolz gewesen, für diese Unternehmen zu arbeiten. «Jetzt fahren Vorstände die Branche mit Vollgas gegen die Wand und begehen danach Fahrerflucht», kritisierte die Gewerkschaftschefin.

Benner forderte die Unternehmensspitzen auf, Verantwortung für das Autoland Deutschland, die Beschäftigten und die Arbeitsplätze zu übernehmen. Von der Politik verlangte sie verlässliche Bedingungen für Investitionen, bezahlbare Energie und die Förderung eines «Made in EU»-Ansatzes. Zudem sprach sie sich für Schutz vor unfairem Wettbewerb, Finanzhilfen für Zulieferer im Umbau und die Beibehaltung der Altersteilzeit-Regelungen aus. Die Beschäftigten müssten sich in der Umbruchphase sowohl auf eine absichernde Sozialpolitik als auch auf eine verlässliche Industriepolitik verlassen können.

Besondere Bedeutung hat nach Einschätzung Benners der laufende Konflikt bei Volkswagen. Dessen Ausgang habe «enorme Strahlkraft» für alle Hersteller und Zulieferer in Deutschland. «VW muss endlich wieder seiner Verantwortung als sozialer Arbeitgeber gerecht werden», sagte Benner. Veränderung gehe nur mit der Belegschaft, nicht gegen sie. Klar sei: «Den letzten Cent aus den Beschäftigten herauspressen, ihn an die Aktionäre verteilen und Werke dichtmachen: Das ist kein Weg aus der Krise.» Zukunft entstehe nicht durch Sparprogramme. «Für ein paar Millionen Euro Gehalt erwarte ich bessere Ideen», so die IG-Metall-Chefin.

Die Autoindustrie steckt in einer tiefgreifenden Krise. Zehntausende Jobs fallen weg, und auch die Zukunft mancher Werke ist ungewiss. Die IG Metall sieht die Beschäftigten als Leidtragende einer Entwicklung, die aus ihrer Sicht von den Unternehmensspitzen mitverantwortet wird. Medien waren zu der Aktion auf dem Werksgelände in Wolfsburg nicht zugelassen. Das hatte der Konzernvorstand um VW-Chef Oliver Blume nach Angaben von Betriebsrat und IG Metall in der vergangenen Woche verfügt.

Mit dem Aktionstag unterstreicht die Gewerkschaft ihre Forderung nach einer sozial abgefederten Transformation der Branche. Die Beschäftigten erwarten, dass die Umstellung auf Elektromobilität und der damit verbundene Umbau nicht auf ihrem Rücken ausgetragen wird. Die IG Metall will den Druck auf die Arbeitgeber und die Politik in den kommenden Wochen weiter erhöhen.

Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.