Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft, dass der Ausgang der US-Zwischenwahlen seinem Land zugutekommt. Die Demokraten haben sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit gewonnen. Selenskyj sieht darin die Chance auf ein neues Machtgleichgewicht in Washington. Davon erhofft er sich mehr Finanzhilfe und zusätzliche Waffenlieferungen, die den Druck auf Kremlchef Wladimir Putin erhöhen könnten.

Selenskyj äußerte sich in einem Interview mit dem Satiriker Jan Böhmermann für das «ZDF Magazin Royale». Die Ausstrahlung ist für Freitag um 23 Uhr angekündigt. Im Gespräch dankte der ukrainische Präsident dem Unternehmen SpaceX für die Satellitenkommunikation, die zu Beginn des Krieges eine wichtige Rolle gespielt habe. Zugleich übte er Kritik an der Haltung des Unternehmers Elon Musk zum Krieg. Die Verbindung zu SpaceX ist für die Ukraine besonders bedeutsam, weil die militärische und zivile Kommunikation in den ersten Kriegswochen auf funktionierende Satellitenverbindungen angewiesen war.

Parallel laufen diplomatische Bemühungen um eine Verhandlungslösung. Melania Trump empfängt im Weißen Haus in Washington Vertreter Russlands und der Ukraine. Erwartet werden unter anderem der Kreml-Berater Kirill Dmitrijew sowie die Menschenrechtsbeauftragten beider Seiten. Die Teilnahme der russischen Delegation hängt nach Angaben aus dem Umfeld des Treffens von logistischen Vorkehrungen ab. Ein solches Zusammentreffen auf Ebene der First Lady ist ungewöhnlich und zeigt, wie breit die Kanäle zwischen beiden Seiten angelegt werden sollen.

Selenskyj verlieh der First Lady den Fürstin-Olga-Orden, eine der höchsten staatlichen Auszeichnungen der Ukraine. Die Ehrung steht im Zusammenhang mit einer Feuerpause in Oleschky, der längsten seit Beginn des Krieges. Die Waffenruhe wird damit als Ergebnis gewürdigt, das Vertrauen in weitere Schritte schaffen könnte. Zugleich sind Dreiergespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine in Abu Dhabi geplant.

In Kiew wächst laut Berichten die Sorge vor einer Annäherung von US-Präsident Donald Trump an Putin. Diese Befürchtung prägt die ukrainische Haltung zu den anstehenden Gesprächen. Selenskyj hat sich deshalb mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner ausgetauscht, um die Positionen Kiews vor den geplanten Treffen abzustimmen. Ob der Wahlausgang tatsächlich zu mehr Hilfe für die Ukraine führt, bleibt abzuwarten. Entscheidend wird sein, wie schnell die neue Machtbalance in Washington in konkrete Beschlüsse übersetzt wird.

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Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.