Die Inflation im Euroraum hat die Marke von vier Prozent erreicht. Damit steigt die Teuerung auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Einzelne Mitglieder des EZB-Rats machen deutlich, wie dringlich aus ihrer Sicht eine erneute Zinserhöhung ist. Die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Schrittes der Notenbank steigt damit spürbar.

Hauptursache für den Preisanstieg sind die hohen Energiepreise. Weil Energie infolge des Irankriegs teurer geworden ist, schlägt sich dies auch in der Gesamtinflation der Eurozone nieder. Im Oktober erreichte die Teuerung den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. In Deutschland dämpft der Tankrabatt die Inflationsrate, während in anderen Euroländern zum Teil schon deutlich höhere Werte gemessen werden. Die Belastung trifft Haushalte und Unternehmen in den einzelnen Ländern daher unterschiedlich stark.

Nach Einschätzung von Beobachtern wird die Europäische Zentralbank voraussichtlich im Dezember die Zinsen erhöhen. Offen bleibt jedoch, wie weit die Notenbank gehen wird. Die Frage, ob weitere Schritte folgen, hängt davon ab, wie sich die Energiepreise und die allgemeine Preisentwicklung in den kommenden Monaten entwickeln. Für Verbraucher und Kreditnehmer bedeutet ein höheres Zinsniveau, dass Kredite teurer werden, während Sparer tendenziell von höheren Zinsen profitieren.

Die Lage ist auch politisch eingebettet. Bei den Zwischenwahlen in den USA haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat gewonnen. Donald Trumps Republikaner erlitten nach Einschätzung vieler US-Medien eine deutliche Niederlage, Trump könnte in seinen letzten Amtsjahren zu einer sogenannten lame duck werden, einem Präsidenten ohne eigene Mehrheiten. Seine Politik mit Strafzöllen, Handelskonflikten und dem Iran-Krieg sowie gestiegene Lebenshaltungskosten und Ölpreise gelten in der US-Bevölkerung als unbeliebt. Für Europa ist daher entscheidend, ob sich die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA ohne Zolldrohungen gestalten lassen und ob die Energiepreise wieder sinken.

Zugleich bleibt die Entwicklung ungewiss. Trump handelt nach Einschätzung von Beobachtern oft erratisch. Um die Ölpreise vor der US-Zwischenwahl zu senken, vereinbarte er einen Dieseldeal mit Wladimir Putin und ließ amerikanische Sanktionen gegen Russland aussetzen. Dieser Plan hat jedoch nicht funktioniert. Europa sieht die Lage deshalb zugleich als Gefahr und Chance, während die Geldpolitik der EZB im Zentrum der Entscheidungen steht.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.