Deutschland muss für seine Energieeinfuhren immer tiefer in die Tasche greifen, und zwar trotz eines deutlichen Rückgangs der importierten Mengen. Nach einer Studie des Öko-Instituts, die im Auftrag des WWF Deutschland erstellt wurde, beliefen sich die Netto-Energieimportkosten im Jahr 2025 auf rund 76 Milliarden Euro. Die Importvolumina sind im Zeitraum von 2015 bis 2025 um etwa ein Viertel gesunken, die Kosten haben dennoch zugenommen.
Die Untersuchung erfasst Steinkohle, Rohöl, Mineralölprodukte, Erdgas, Biomasse, Kernbrennstoffe und Strom. Sie reicht von 2015 bis zur ersten Jahreshälfte 2026. Den bisherigen Höchstwert verzeichnete das Jahr 2022 mit etwa 143 Milliarden Euro, nachdem Russland die Ukraine angegriffen hatte. Der tiefste Stand lag im Jahr 2020 bei rund 44 Milliarden Euro, während das Niveau von 2015 bei etwa 65 Milliarden Euro lag. Die Schwankungen zeigen, wie stark die Kosten auf Krisen an den internationalen Energiemärkten reagieren, selbst wenn die Mengen gleichzeitig sinken.
Auch auf europäischer Ebene zeigt sich dasselbe Muster. Die Einfuhrmengen der EU sind über zehn Jahre um etwa zehn Prozent gesunken, die Kosten dagegen um rund ein Drittel gestiegen. Die Netto-Energieimportkosten der Europäischen Union betrugen 2025 etwa 296 Milliarden Euro. Die Importabhängigkeit liegt EU-weit bei rund 57 Prozent des Primärenergieverbrauchs, in Deutschland bei etwa 66 Prozent. Deutschland ist damit stärker von Energieeinfuhren abhängig als der EU-Durchschnitt.
Der WWF bezeichnet Öl- und Gasimporte als eine Schwachstelle der Energiepolitik. Der Energieexperte des Verbands, Felix Schmidt, warnt vor geopolitischen und klimapolitischen Risiken, die mit dieser Abhängigkeit verbunden sind. Aus Sicht der Umweltschützer lassen sich diese Risiken nur durch einen konsequenten Umbau der Energieversorgung verringern. Der WWF fordert deshalb einen zügigen Ausbau erneuerbarer Energien sowie den Aufbau von Speichern und Stromnetzen.
Der Ökonom Felix Matthes vom Öko-Institut stellt klar, dass sinkende Importmengen allein nicht ausreichen, um das Risiko zu begrenzen. Eine schnellere Energiewende bedeute, so Matthes, zugleich mehr wirtschaftliche Stabilität. Die Studie macht deutlich, dass die Kosten fossiler Energieeinfuhren nicht nur von den Mengen abhängen, sondern in hohem Maße von den Weltmarktpreisen und damit von politischen Krisen beeinflusst werden. Wer Öl und Gas in geringerem Umfang importiert, ist nach dieser Argumentation dennoch nicht vor Preisschocks geschützt, solange die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern bestehen bleibt.
Quelle: stern.de
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