Chinas Kohlendioxid-Ausstoß ist im dritten Quartal dieses Jahres deutlich gesunken. Nach einer Analyse des Thinktanks Crea, über die das Fachportal Carbon Brief berichtet, lagen die Emissionen rund 3,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Es ist der stärkste Rückgang seit 2022. Für das bisherige Jahr schätzen die Forscher den Rückgang auf etwa 0,5 Prozent. Die Analyse stützt sich auf amtliche und kommerzielle Daten und wurde von Lauri Myllyvirta verfasst, dem Chefanalysten von Crea.

Verantwortlich für den Rückgang ist vor allem die Stromerzeugung aus Kohle, die im dritten Quartal um 3,3 Prozent zurückging. Auch das Wachstum in der kohlebasierten chemischen Industrie hat sich verlangsamt. Beim Ölverbrauch im Transportsektor zeigt sich ein deutlicher Rückgang, den die Analyse unter anderem auf den wachsenden Anteil von Elektrofahrzeugen zurückführt. Zusätzlich dürfte die Ölnachfrage unter dem Druck der Krise um die Straße von Hormus gestanden haben. Die Straße von Hormus gilt als einer der wichtigsten Transportwege für Öl weltweit, weshalb Entwicklungen dort die Märkte stark beeinflussen.

Auch in der Zement- und Stahlproduktion sind die Emissionen gesunken. Als möglichen Faktor nennen die Analysten die Krise im chinesischen Bausektor, die die Nachfrage nach diesen Materialien gedämpft haben könnte. Beide Branchen gehören zu den energieintensivsten Industrien des Landes, sodass Veränderungen dort direkten Einfluss auf die Gesamtbilanz haben.

Auch die staatliche chinesische Energiebehörde meldet für das dritte Quartal einen geringeren Kohlestrom. In der ersten Jahreshälfte fiel der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung erstmals unter 50 Prozent, ein Wendepunkt, den es in dieser Form bisher nicht gab. Die Kohlekraftwerke laufen im Durchschnitt zudem weniger Stunden im Jahr. Damit setzt sich ein Trend fort, nach dem die Emissionen seit März 2024 stagnieren oder sinken.

Ein wesentlicher Grund dafür ist der Ausbau erneuerbarer Energien. Nach Einschätzung der Analyse könnte das Wachstum der Stromerzeugung aus Wind und Sonne den Zuwachs der Gesamtnachfrage sogar übertreffen. Als Bremse gelten jedoch weiterhin Engpässe beim Anschluss von Wind- und Solaranlagen an das Stromnetz. Solange diese Netzanbindung stockt, kann grüner Strom nicht im vollen Umfang ins System eingespeist werden.

China ist der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen, und jede Veränderung im Land wirkt sich entsprechend stark auf die globale Klimabilanz aus. Das Land bezeichnet sich selbst als Entwicklungsland und macht die reichen Industriestaaten für die Finanzierung des Klimaschutzes verantwortlich. Dieser Streit um Klimafinanzierung begleitet die internationalen Verhandlungen seit Jahren. In etwa einer Woche steht das Thema der globalen Emissionen auf der Agenda der Klimakonferenz COP31 im türkischen Antalya.

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Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.