Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland intensivieren, knüpfen mögliche Gaslieferungen jedoch an Bedingungen. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Regierungskreise. Beim Thema Gas sehen die Emirate demnach ein Problem, das einer raschen Einigung im Wege steht.
Deutschland sucht seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und dem Ende der Pipeline-Importe aus Russland dringend nach alternativen Energiequellen. Die Emirate gelten als wichtiger Partner am Golf, der über erhebliche Gasreserven verfügt. Bereits im vergangenen Jahr hatte Deutschland ein Abkommen über Flüssiggaslieferungen mit dem Emirat Abu Dhabi geschlossen. Nun geht es offenbar um eine Ausweitung der Kooperation.
Die genauen Bedingungen, die die Emirate stellen, sind bislang nicht öffentlich bekannt. Klar ist jedoch, dass die Gespräche zwischen beiden Seiten noch nicht abgeschlossen sind. Die Bundesregierung hat sich zu den laufenden Verhandlungen bislang nicht im Detail geäußert.
Für Deutschland steht viel auf dem Spiel. Die Energiepreise sind nach dem Wegfall russischer Lieferungen stark gestiegen und belasten Unternehmen wie private Haushalte. Die Industrie warnt seit Monaten vor einer Deindustrialisierung, sollte es nicht gelingen, die Versorgung mit bezahlbarer Energie zu sichern. Gas wird nicht nur zum Heizen, sondern auch als Rohstoff in der Chemie- und Stahlindustrie benötigt.
Die Emirate verfolgen mit der möglichen Zusammenarbeit eigene wirtschaftliche Interessen. Sie wollen ihre Abhängigkeit vom Ölgeschäft verringern und sich als zuverlässiger Energielieferant für Europa positionieren. Zugleich verlangen sie offenbar Zusagen, die über reine Lieferverträge hinausgehen.
Beobachter sehen in den Verhandlungen ein Beispiel für die veränderte geopolitische Lage. Deutschland muss seine Energiepartnerschaften neu ordnen und dabei mit Staaten zusammenarbeiten, die eigene politische und wirtschaftliche Vorstellungen haben. Die Gespräche mit den Emiraten sind Teil dieser Neuausrichtung.
Ob und wann es zu einer Einigung kommt, ist offen. Die Bundesregierung hat mehrfach betont, die Energieversorgung breit aufstellen zu wollen. Neben den Emiraten setzt sie auf Norwegen, die Niederlande, Belgien und den Ausbau erneuerbarer Energien. Flüssiggas soll über neue Terminals in Deutschland angelandet werden.
Für die Region Südbaden und Waldshut sind die Entwicklungen auf dem Energiemarkt von unmittelbarer Bedeutung. Viele Unternehmen im Landkreis sind energieintensiv und auf stabile Preise angewiesen. Die Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg haben wiederholt auf die hohen Energiekosten als Standortrisiko hingewiesen.
Die Verhandlungen mit den Emiraten dürften daher auch in der Region mit Aufmerksamkeit verfolgt werden. Sollte es zu einer Einigung kommen, könnte dies langfristig zur Entspannung an den Gasmärkten beitragen. Bis dahin bleiben die Preise jedoch volatil und die Versorgungssicherheit ein zentrales Thema.

