Nach einer ungewöhnlichen Rettungsaktion sind Menschen aus der von Moskaus Truppen kontrollierten Stadt Oleschky in Belarus angekommen. Ihre Weiterreise in die Ukraine ist laut Berichten vorgesehen. Russland meldet die Aktion als erfolgreich und spricht von einem bislang nicht da gewesenen Schritt, bei dem eine ukrainische Delegation in die besetzten Gebiete reisen durfte, um Bewohner abzuholen.

Oleschky liegt im Gebiet Cherson und ist seit Monaten weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. Nach Angaben aus den Berichten könnten sich noch etwa tausend Menschen in der zerstörten Stadt aufhalten. Die Zahl lässt sich unabhängig kaum überprüfen. Die Versorgungslage gilt als schwierig, die Infrastruktur ist durch die Kämpfe stark beschädigt.

Die Reiseroute der Evakuierung führte über russisches und belarussisches Gebiet. Genau diese Route sorgt bei einigen Betroffenen für Skepsis. Ein Einwohner äußerte die Befürchtung, hinter dem Angebot könnten «Tricks» stecken. Andere Bewohner wollen Oleschky dagegen nicht verlassen, wie aus den Berichten hervorgeht. Die Entscheidung zwischen Bleiben und Gehen fällt damit für viele unter großer Unsicherheit.

Die ukrainische Seite hatte die Lage in Oleschky wiederholt als dramatisch beschrieben. Die Stadt ist für Hilfsorganisationen nur schwer erreichbar, und unabhängige Berichte aus dem Inneren sind selten. Dass Moskau nun eine Delegation in das besetzte Gebiet ließ, gilt deshalb als ungewöhnlich. Die Hintergründe dieser Entscheidung sind aus den vorliegenden Berichten nicht eindeutig ableitbar.

Parallel dazu ging der Krieg weiter. Im Liveblog wurde gemeldet, dass bei russischen Drohnenangriffen zwei Menschen ums Leben gekommen seien. Zudem hat das US-Außenministerium die Lieferung von Patriot-Luftabwehrsystemen an die Ukraine genehmigt. Beide Meldungen zeigen, dass sich die humanitäre Lage und die militärische Auseinandersetzung gleichzeitig zuspitzen.

Welche Menschen tatsächlich aus Oleschky ausreisen konnten und wie viele in der Stadt zurückbleiben, ist bislang nicht abschließend geklärt. Unabhängige Bestätigungen aus der Stadt liegen nur begrenzt vor. Die weitere Entwicklung der Evakuierung bleibt daher offen.

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Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.