Die ukrainische Marine hat nach eigenen Angaben mit Neptun-Raketen zwei russische Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi Su-34 auf dem Militärflugplatz Marinowka im südrussischen Gebiet Wolgograd zerstört. Der Fliegerhorst liegt mehr als 450 Kilometer vom ukrainisch kontrollierten Gebiet entfernt. Es ist bereits der zweite solche Angriff tief im russischen Hinterland im Oktober.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich in einer Videobotschaft zu dem Angriff. «Ich danke euch, Jungs, für das Ergebnis», sagte er. Bei einer weiteren Attacke sei zudem eine Startrampe für russische Iskander-Raketen beschädigt worden. Das russische Militär äußerte sich zu dem Vorfall nicht. Militärnahe russische Blogger bestätigten den Verlust jedoch indirekt. Der Blogger «Fighterbomber» schrieb: «Ich hoffe, dass die Erkenntnis, dass die Frontluftwaffe weiter und tiefer zurückgezogen werden muss, die obersten Befehlshaber noch rechtzeitig erreicht, bevor es nichts mehr gibt, was man zurückziehen könnte.»
Der Flugzeugtyp Su-34 spielt im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine eine zentrale Rolle. Die Jets werden eingesetzt, um sogenannte Gleitbomben abzuwerfen. Diese mit Flügelkonstruktionen ausgestatteten Waffen werden aus großer Höhe und Dutzende Kilometer entfernt von der gegnerischen Flugabwehr abgeworfen und richten Tod und Zerstörung in der Ukraine an. Angriffe auf die Flugplätze treffen daher einen Kern der russischen Luftoffensive, weil sie die Basis für diese Einsätze verkleinern.
Auch im Hinterland Russlands wurde in den vergangenen Tage massiv angegriffen. Am Donnerstag hatte die Ukraine Russland mit Drohnen attackiert. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Morgen mit, 1.214 ukrainische Drohnen über russischen Gebieten abgewehrt zu haben. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von 613 Drohnen, die in Richtung der Hauptstadtregion geflogen seien. Der größte Teil sei abgeschossen worden, 231 davon beim Anflug auf Moskau. An drei der vier Hauptstadtflughäfen gab es in der Nacht Einschränkungen.
Auch in Sterlitamak im Uralgebiet in der Teilrepublik Baschkortostan wurden nach Behördenangaben acht Drohnen abgewehrt. Trümmer seien auf das Gelände eines nicht näher genannten Unternehmens gestürzt, es gebe leichte Schäden. Die Stadt war in der Vergangenheit bereits mehrfach Ziel ukrainischer Gegenangriffe.
Parallel dazu zeigt ein anderer Vorgang im Süden der Ukraine, wie stark das Kriegsgeschehen die Zivilbevölkerung trifft. In der besetzten Frontstadt Oleschky im von Russland annektierten Gebiet Cherson wurden Menschen nach russischen Militärangaben über Anapa ausgeflogen. Sie wurden in russischen Militärmaschinen zusammen mit dem ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez nach Gomel in Belarus gebracht, von wo sie in die Ukraine weiterreisen sollten. Die Evakuierung war von der US-First-Lady Melania Trump vermittelt worden, die eine mehrtägige Waffenruhe für das Gebiet erwirkt hatte.
Zur Zahl der Geretteten gab es keine konkreten Angaben. Dem Vernehmen nach verließen mehr als 200 Menschen die Stadt in Richtung Ukraine, dutzende entschieden sich für eine Ausreise in von Russland kontrollierte Gebiete. Die Betroffenen konnten sich zwischen Ausreise und Verbleib in der Trümmerstadt entscheiden. Oleschky hatte vor dem Krieg rund 24.000 Einwohner, mehr als 1.000 Menschen könnten noch dort leben. Die extrem verminte und mit Panzersperren bestückte Region ist vom russischen Militär abgeriegelt, besonders gefährlich gelten ukrainische Drohnenangriffe. Die Waffenruhe für das Gebiet Cherson endet am Sonntagabend.
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