Für die bundesweiten Jugendproteste hofft die Initiative »Gen Z regelt« auf mehr als 160.000 Teilnehmer. So viele Menschen haben nach Angaben auf der Website ihre Teilnahme zugesagt. Die Gruppierung fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Eine Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.
Die Demonstrationen in Berlin, Köln, Frankfurt am Main und München werden von einem zentralen Organisationsteam betreut. In weiteren rund 30 Städten haben örtliche Initiativen Kundgebungen angemeldet. Das Organisationsteam erklärt sich in diesen Orten nicht für Inhalt und Organisation zuständig, weist auf seiner Website aber auf diese Veranstaltungen hin und ruft zur Teilnahme auf. Nach eigenen Angaben hat sich »Gen Z regelt« erst vor wenigen Wochen zusammengefunden. Zum zentralen Organisationsteam gehören nach eigenen Angaben 30 Menschen.
Von einzelnen Veranstaltungen, die sich ebenfalls auf »Gen Z regelt« berufen, grenzt sich die Gruppierung ab. In sozialen Medien gibt es zahlreiche Beiträge und Kanäle, die einen Bezug zu der Initiative herstellen, nicht alle sprechen jedoch in ihrem Namen. Die Bundesschülerkonferenz hat sich von dem Protest distanziert und verwies dabei auf »undurchsichtige Organisationsstrukturen«.
Die Organisatoren rufen ausdrücklich zu friedlichem Protest auf und lehnen jede Form von Gewalt ab. Auf ihrer Website stellen sie klar, dass sie keine extremistischen Gruppen und verfassungsfeindlichen Symbole bei ihren Demonstrationen wollen. Sie warnen vor Glas und Waffen sowie vor Provokationen gegenüber der Polizei und weisen auf das für Demonstrationen geltende Vermummungsverbot hin.
Hintergrund der Sorge sind Proteste insbesondere in Frankreich, bei denen es zu Ausschreitungen mit Gewalt, Plünderungen und Brandstiftung gekommen war. Im deutschen Einzelhandel haben Geschäfte vor dem Protesttag mancherorts geschlossen, weil die Betreiber Schäden oder Beeinträchtigungen auch hierzulande fürchten. Die Sicherheitsbehörden des Bundes haben nach Angaben des Innenministeriums allerdings keine weitergehenden Erkenntnisse zu Gewaltaufrufen oder geplanten gewalttätigen Ausschreitungen. Gleichwohl griffen Teile der linksextremistischen Szene sowie vereinzelt Gruppierungen aus dem auslandsbezogenen Extremismus die Aufrufe auf, um sich an der Mobilisierung zu beteiligen, wie eine Sprecherin des Ministeriums sagte.
Vertreter von »Gen Z regelt« kritisieren den starken Fokus auf die Sorge vor Gewalt. Ein Organisator der Demonstration in München sagte bei einer Pressekonferenz in Köln, dies zeige, dass die Initiative nicht ernst genommen und nicht gehört werde, denn niemand wolle sich mit den Inhalten befassen, auf der Agenda stehe immer nur das Thema Gewalt.
Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katharina Dröge, zeigt Verständnis für den Ärger junger Menschen und fordert mehr Aufmerksamkeit für ihre Kritik. Junge Menschen seien zu Recht wütend, weil die Bundesregierung ihre Anliegen nicht ernst genug nehme und ihnen Antworten schuldig bleibe, wie sie ihre Zukunft gestalten könnten, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Die Linke unterstützt die Proteste. Parteichef Luigi Pantisano erklärte, es sei genau die richtige Zeit für Proteste, und verwies auf geplante Reformen der Bundesregierung bei Pflege und Rente, die er als »soziale Grausamkeiten« bezeichnete.
AfD-Chefin Alice Weidel warnte hingegen vor einer Vereinnahmung durch Extremisten. Es bestehe die »reale Gefahr, dass die Demonstrationen wie in Frankreich von gewaltbereiten Menschen aus dem linksextremen und islamistischen Milieu gekapert werden«, erklärte sie.
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