Russland hat einen ukrainischen Grenzübergang zur Republik Moldau mit Kampfdrohnen angegriffen und schwer beschädigt. Der Auto-Kontrollpunkt Vynohradivka wurde nach Angaben des ukrainischen Grenzschutzes offenbar von Shahed-Drohnen getroffen. Der Grenzverkehr an dieser Stelle ist derzeit vollständig gesperrt, die moldauischen Behörden wurden über den Vorfall informiert.

Es ist bereits der zweite Angriff auf einen Grenzübergang zwischen der Ukraine und Moldau innerhalb kurzer Zeit. Erst in der vergangenen Woche war der Kontrollpunkt Tabaky getroffen und daraufhin für den Passagier- und Fahrzeugverkehr gesperrt worden. Die wiederholten Angriffe auf die Grenzinfrastruktur belasten die Verbindungen zwischen den beiden Nachbarländern erheblich.

Unterdessen melden die Behörden in der südrussischen Region Krasnodar einen weiteren Drohnenangriff mit schweren Folgen. Eine Ölraffinerie ist in Brand geraten. Nach Angaben von Regionalgouverneur Wenjamin Kondratjew wurden durch herabfallende Trümmerteile in der Umgebung zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Die Raffinerie zählt zu den größten Erdölverarbeitungsanlagen in Südrussland und verarbeitet jährlich rund 6,25 Millionen Tonnen Rohöl, was etwa zwei Prozent der russischen Raffinerieproduktion entspricht. Die Anlage war bereits in der Vergangenheit Ziel ukrainischer Angriffe.

Die westlichen Unterstützer der Ukraine zeigen sich von den anhaltenden russischen Drohungen unbeeindruckt. Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Andy Burnham betonten nach einer Videoschalte der sogenannten „Koalition der Willigen“ als Co-Gastgeber, die Ukraine müsse „in ihrem Kampf zur Verteidigung ihrer Souveränität, Freiheit und territorialen Unversehrtheit“ weiter unterstützt werden. Die Ukraine habe das „ureigene Recht“, sich gegen den russischen Angriffskrieg zu verteidigen, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme. „Unverantwortliche Drohungen seitens Russlands“ würden der Unterstützung keinen Abbruch tun.

Man sei entschlossen, „die militärische Unterstützung für die Ukraine zu erhöhen, als besonders dringliche Aufgabe die Flugabwehr der Ukraine zu stärken, die Zusammenarbeit mit ihrer Rüstungsindustrie zu verbessern und einschlägige Technologien zu teilen“, erklärten die Regierungschefs weiter. Die Regierung in London genehmigte zudem den Antrag von Präsident Wolodymyr Selenskyj für den Bau weitreichender Marschflugkörper mit britischer „Storm Shadow“-Technologie.

In Moskau sorgte die Ankündigung für scharfe Kritik. Kremlsprecher Dmitri Peskow warf London vor, mit den Plänen „methodisch und regelmäßig Öl ins Feuer“ des Kriegs zu gießen. Russland droht demnach mit „einer Zerstörung der entsprechenden Objekte“. Großbritanniens Premier Burnham bezeichnete die russischen Drohungen hingegen als „unerhört“.

Die Ukraine hatte am Wochenende den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit begangen. Die EU genehmigte neue Rüstungshilfen im Wert von 6,1 Milliarden Euro, die für Flugabwehrsysteme, Raketen, Munition und Radaranlagen vorgesehen sind. Präsident Selenskyj empfing internationale Gäste, darunter die Staats- und Regierungschefs aus Luxemburg, Lettland, Moldau, Litauen, Finnland und Estland sowie EU-Ratspräsident António Costa, zum Nationalfeiertag auf dem Sophienplatz in Kiew. In einer Schweigeminute wurde der Opfer des seit viereinhalb Jahren dauernden russischen Angriffskriegs gedacht.

Theresa Jungmann

Autor

Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.