Die Militärregierung von Myanmar hat erstmals seit dem Putsch vor fünfeinhalb Jahren Aufnahmen veröffentlicht, die die frühere Regierungschefin Aung San Suu Kyi bei einem Treffen mit einem Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zeigen. Es ist der erste öffentlich bekannt gewordene Kontakt der Friedensnobelpreisträgerin mit einem ausländischen Vertreter, seit das Militär im Februar 2021 die demokratisch gewählte Regierung stürzte und die Politikerin festnahm.
Lange war über den Aufenthaltsort und den Gesundheitszustand von Suu Kyi so gut wie nichts bekannt. Die nun veröffentlichten Bilder zeigen die 81-Jährige in einem holzvertäfelten Raum, zusammen mit Arnaud de Baecque, dem Myanmar-Repräsentanten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Das staatliche Fernsehen berichtete, das Treffen habe am Morgen stattgefunden. Wo Suu Kyi und de Baecque zusammenkamen, wurde nicht bekannt.
Die Militärregierung hatte bereits im Juni Aufnahmen vom 81. Geburtstag der früheren Freiheitsikone veröffentlicht, auf denen sie offenbar im Hausarrest einen Geburtstagskuchen anschneidet. Zu ihrem Aufenthaltsort und Gesundheitszustand gab es zuvor jahrelang kaum verlässliche Informationen. Nach Angaben der Behörden wurde Suu Kyi Ende April aus einem Gefängnis in den Hausarrest verlegt.
Suu Kyi steht seit dem Militärputsch vom Februar 2021 unter Arrest. Damals hatte das Militär die demokratisch gewählte Regierung des Landes gestürzt und die Politikerin festgenommen. Seitdem ist sie weitgehend von der Außenwelt abgeschirmt. In der Folge wurde sie wegen angeblicher Vergehen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Immer wieder gab es Sorgen um ihren Gesundheitszustand; unter anderem war von Herzproblemen die Rede.
Die Politikerin war jahrzehntelang die bekannteste Oppositionspolitikerin Myanmars und erhielt 1991 den Friedensnobelpreis für ihren gewaltlosen Einsatz für Demokratie. In der Zeit der Militärherrschaft galt sie vielen als Symbol des Widerstands. Bereits von 1989 bis 2010 verbrachte sie insgesamt 15 Jahre isoliert unter Hausarrest. 2010 endete diese Zeit; später wurde sie Regierungschefin des Landes.
Seit dem Putsch von 2021 befindet sich Myanmar, das frühere Birma, in einer schweren Krise. Die Entmachtung der gewählten Regierung löste landesweite Proteste und einen anhaltenden bewaffneten Konflikt aus. In mehreren Regionen kommt es immer wieder zu Gefechten zwischen der Armee und bewaffneten Gruppen. Seither prägen Gewalt, wirtschaftlicher Niedergang und Widerstand gegen die Junta das Land.
Die Veröffentlichung der Fotos erfolgt nur wenige Tage vor einem geplanten offiziellen Besuch von Armeechef Min Aung Hlaing im Nachbarland Thailand. Min Aung Hlaing war nach einer international sehr umstrittenen Wahl im April vom Parlament zum Präsidenten erklärt worden. Kritiker und internationale Beobachter sehen darin keinen echten demokratischen Prozess, sondern eine Inszenierung zur Festigung der Militärmacht.
Was bei dem Treffen mit dem Roten Kreuz besprochen wurde, ist nicht bekannt. Die Militärregierung machte dazu keine Angaben. Auch der genaue Aufenthaltsort von Aung San Suu Kyi bleibt weiterhin unklar; verlässliche Informationen über ihren Gesundheitszustand gab es auch nach der Veröffentlichung der Aufnahmen nicht. Die Bilder sind seltene Aufnahmen einer Frau, die seit Jahren weitgehend von der Außenwelt abgeschirmt ist.
