Eine gewaltige Sturzflut aus Schlamm und Geröll hat im Grenzgebiet zwischen Nepal und der chinesischen Region Tibet eine verheerende Katastrophe ausgelöst. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden bisher mindestens 165 Todesopfer geborgen, mehr als 1.300 Menschen gelten als vermisst. Unter den Vermissten befinden sich nach offiziellen Angaben auch mindestens acht deutsche Staatsangehörige.
Die Flutwelle wurde durch einen massiven Erdrutsch ausgelöst, der sich in dem dünn besiedelten Himalaya-Gebiet ereignete. Videos aus der Region zeigen eine gewaltige Schlammlawine, die alles mit sich reißt und ganze Täler unter sich begräbt. Überlebende berichten von dramatischen Szenen und gewaltiger Zerstörung, als die Wassermassen innerhalb kürzester Zeit über die Ortschaften hereinbrachen.
Nach Angaben des Deutschlandfunks werden auf beiden Seiten der Grenze insgesamt noch rund 1.400 Menschen vermisst. Bei etwa der Hälfte von ihnen soll es sich um Touristen handeln. Das Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet ist bei Trekking- und Abenteuerreisenden aus aller Welt beliebt, weshalb zahlreiche ausländische Reisende von der Katastrophe betroffen sein könnten.
Tausende Einsatzkräfte sind derzeit im Einsatz, um nach Überlebenden zu suchen. Die Rettungsarbeiten gestalten sich jedoch schwierig, da weite Teile der Region durch die Schlammlawinen unpassierbar geworden sind. Straßen und Brücken wurden zerstört, ganze Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten. Die Behörden in Nepal und China haben Spezialeinheiten in das Katastrophengebiet entsandt, um die Suche zu unterstützen.
Das Auswärtige Amt in Berlin hat sich zu den Vermisstenmeldungen bislang zurückhaltend geäußert. Die deutschen Botschaften in der Region stehen nach Informationen der Nachrichtenagenturen in Kontakt mit den örtlichen Behörden und versuchen, das Schicksal der vermissten Deutschen zu klären. Angehörige wurden demnach informiert.
Die Sturzflut ereignete sich in einer Region, die immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht wird. Durch den Klimawandel nehmen extreme Wetterereignisse im Himalaya nach Einschätzung von Experten zu. Die Bergregion gilt als besonders anfällig für Erdrutsche und Überschwemmungen, da die steilen Hänge und engen Täler die Wassermassen bündeln und verstärken.
Die Suche nach den Vermissten soll auch in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Die Behörden rechnen jedoch damit, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen könnte, da viele der Vermissten unter den Schlammmassen begraben sein dürften. In den betroffenen Gebieten wurden Notunterkünfte für Überlebende eingerichtet, die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln wird organisiert.

