Die Klimakrise hinterlässt in Deutschland immer deutlichere Spuren. Schmelzende Gletscher, abgestorbene Wälder und ausgetrocknete Flüsse sind nur einige der sichtbaren Folgen der Erderwärmung. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) dokumentiert diese Veränderungen seit mehreren Jahren mit einer besonderen Methode: Fotografen nehmen jeden Spätsommer an ausgewählten Orten Bilder auf – von möglichst exakt denselben Positionen und mit derselben Perspektive. So wird der schleichende Wandel sichtbar, der sich nicht nur in Katastrophenbildern zeigt.

Besonders deutlich sind die Veränderungen an den letzten vier deutschen Gletschern zu erkennen. Sie haben allein von 2023 bis 2025 mehr als ein Viertel ihrer Fläche verloren, wie eine Vermessung des Geografen Wilfried Hagg von der Hochschule München und des Glaziologen Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ergab. Der Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Bergen könnte schon bald seinen Status als Gletscher verlieren. Am längsten dürfte sich der Höllentalferner im Zugspitzgebiet halten. Klimaforscher Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sieht keine Rettung mehr: „Die deutschen Gletscher sind nicht mehr zu retten.“

Die Folgen des Gletscherschwunds gehen weit über den Wintersport hinaus. Gebirgsgletscher seien wichtige Süßwasserspeicher für Flüsse, auch in den Alpen, erklärt Levermann. Normalerweise nehme die Eismasse im Winter zu und schmelze im Sommer teilweise ab. Dieser Puffer gehe nun verloren – ein Effekt, der auch beim historischen Niedrigwasser in Flüssen wie Rhein und Donau in diesem Jahr eine Rolle gespielt haben dürfte. Die Pegelstände erreichten im Sommer Rekord-Tiefstände.

Viele Menschen wundern sich, warum Flüsse und Seen trotz erwarteter Niederschlagszunahme so wenig Wasser führen. Levermann erklärt den scheinbaren Widerspruch: „Eine wärmere Atmosphäre ist hungriger nach Wasserdampf.“ Pro Grad Erwärmung könne die Luft sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Trockene, warme Luft sauge den Boden und die Flüsse leer, und wenn es dann zu Niederschlagsereignissen komme, seien diese stärker und heftiger. Dürreperioden und Starkregen seien zwei Seiten derselben Medaille.

Auch die Wälder zeigen deutliche Veränderungen. In der Eifel und vielen anderen Waldgebieten sind zwischen abgestorbenen Fichten jüngere Buchen zu sehen. Die widerstandsfähigeren Buchen sollen die Fichten im Laufe der Zeit verdrängen. Levermann sieht eine ähnliche Situation wie bei den Gletschern: Beide, Wald und Gletscher, wüchsen oder schrumpften in einem empfindlichen Gleichgewicht, das durch den Klimawandel gestört werde.

Die dpa-Fotoserie zeigt jedoch auch, dass die Veränderungen nicht immer linear verlaufen. „Globale Erwärmung bedeutet nicht, dass es an jedem Ort zu jedem Zeitpunkt jedes Jahr wärmer wird, sondern wir haben natürliche Schwankungen im System“, betont Levermann. Diese Schwankungen würden durch den Klimawandel in alle Richtungen verstärkt – „und das ist schlecht“. Am Arendsee in der Altmark in Sachsen-Anhalt ist auf den jährlichen Bildern zu sehen, wie unterschiedlich der Uferverlauf je nach Trockenheit oder Niederschlagsreichtum des Sommers ist. Da Dürreperioden häufiger und länger anhalten, seien künftig mehr Bilder mit niedrigen Wasserständen zu erwarten, aber auch Überschwemmungsereignisse seien wahrscheinlich.

Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.