Eine über Litauen von Nato-Kampfjets abgeschossene Drohne war mit Sprengstoff bestückt. Das teilte der litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas mit. Die Sprengladung sei von Spezialkräften entschärft worden, schrieb Kaunas auf Facebook. Die Drohne werde weiterhin untersucht und analysiert.

In der Nacht zu Dienstag war das unbemannte Flugobjekt von italienischen Eurofightern über einem ländlichen Gebiet nahe dem Dorf Pratkunai abgeschossen worden. Verletzte oder Schäden gab es nicht. Die Behörden hatten die Bevölkerung mehrerer Regionen des baltischen EU- und Nato-Landes zuvor über eine mögliche Bedrohung aus der Luft alarmiert. Genauere Angaben zur Herkunft und zum Typ der Drohne gab es zunächst nicht. Nach ersten Erkenntnissen flog die Drohne wahrscheinlich vom Gebiet von Belarus nach Litauen ein. Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in den baltischen Staaten gegeben.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen zwei Mal russischen Anschlagsversuchen mit Drohnen entgangen. «Als wir mit der Präsidentenmaschine in Moldau waren, griffen sie (die Russen) Moldau an und auf dem Rückweg erneut», sagte Selenskyj dem US-Sender CBS und bestätigte damit eine Äußerung des norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre. Laut Støre wurde Selenskyjs Maschine beinahe von einer Drohne getroffen, als dieser vorige Woche von Moldau nach Norwegen flog, um an den Trauerfeiern für König Harald V. teilzunehmen. Nach Angaben Selenskyjs hätten auch bei seiner Rückkehr in die Ukraine russische Drohnen den moldauischen Luftraum verletzt – dieser Vorfall war bislang unbekannt. Unklar ist, ob die Drohnen auf die ukrainische Präsidentenmaschine zielten. Selenskyj nannte keine weiteren Details.

Russische Drohnen verletzen immer wieder den Luftraum anderer Länder. Erst am Sonntag traf eine russische Drohne einen Zug nahe der polnischen Grenze in der Ukraine. Auf derselben Strecke war ein Zug mit Politikern aus Westeuropa unterwegs, die kurz zuvor in Kiew über mögliche neue Friedensgespräche beraten hatten. In dem Zug befand sich auch der außenpolitische Berater des Kanzlers, Günter Sautter. Der Zug musste nach dem Drohnenangriff auf den vorausfahrenden Zug evakuiert werden. Nach Angaben Selenskyjs gehöre es zur russischen Strategie, ihn und westliche Staatslenker einzuschüchtern.

Russland warnt westliche Politiker und Diplomaten vor Reisen in die Ukraine. Sie sollten die Risiken «nüchtern» abwägen, so die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Hintergrund ist ein russischer Drohnenangriff auf eine Bahnstrecke, auf der auch ein Zug mit dem britischen Ex-Premierminister Boris Johnson und dem schwedischen Ex-Ministerpräsidenten Carl Bildt unterwegs war. Auch der außenpolitische Berater des Kanzlers, Günter Sautter, befand sich an Bord des Zuges. Sacharowa erklärte, Bahnhöfe und die Transportinfrastruktur für das ukrainische Militär seien legitime Ziele. Russland habe ausländische Diplomaten im Mai aufgefordert, Kiew wegen der Angriffe auf Rüstungsbetriebe zu verlassen.

Nach den jüngsten russischen Drohnenangriffen auf einen Zug von Kiew nach Warschau und auf die ukrainische Grenzregion will Polen seine Grenzübergänge zur Ukraine befestigen. «Die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, dass Russlands Vorgehen die Sicherheit ganz Europas gefährdet», schrieb Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf der Plattform X. Pioniere der polnischen Armee sollen nun die Grenzposten mit sogenannten Hesco-Barrieren verstärken, wie das Oberkommando auf X mitteilte. Dies sind vom Militär verwendete Körbe aus Metall und Kunststofffolie, die mit Sand gefüllt werden. Außerdem sollen in der Nähe der Grenzübergänge Dorohusk, Medyka und Korczowa zusätzliche Beobachtungs- und Wachposten gebaut werden.

Am Sonntag war nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn die Lokomotive des regulären Passagierzugs von Kiew nach Warschau beim Grenzbahnhof Jahodyn angegriffen worden. Verletzt wurde niemand. Kurz vor dem Angriff soll demnach an dem Bahnhof ein Diplomatenzug gehalten haben, der Sicherheitsberater mehrerer EU-Mitglieder an Bord hatte. Zudem gab es nur 800 Meter von der Grenze zu Polen entfernt einen Drohnenangriff auf eine Tankstelle. Polens Regierung warf Moskau eine Eskalation des Ukraine-Konflikts vor.

Der Kreml hat unterdessen den Vorschlag von US-Präsident Donald Trump begrüßt, dass Moskau und Kiew wechselseitige Angriffe auf die Infrastruktur stoppen sollten. Man habe Trumps Initiative zu einer Energie-Waffenruhe gesehen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut Nachrichtenagentur Interfax. «Wir halten das insgesamt für eine sehr gute Idee», sagte er. Man sei mit den Amerikanern in Kontakt. Es wurde keine Äußerung Peskows zitiert, ob Moskau dem Vorschlag zustimmen werde. Der Kremlsprecher sagte, es gehe nicht nur darum, dass es keine Angriffe auf russische Raffinerien mehr geben solle. Russland müsse sein Öl auch ungehindert exportieren dürfen. Kiew sei aber nicht bereit, eine sichere Schifffahrt zu garantieren.

Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.