Julian Köster soll den deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel in eine neue Ära führen. Der 26-Jährige, der vom VfL Gummersbach nach Kiel gewechselt ist, wurde vom neuen Trainer Börge Lund umgehend in das Kapitäns-Trio berufen. Gemeinsam mit den langjährigen Kieler Spielern Rune Dahmke und Domagoj Duvnjak wird der Rückraumspieler das Team künftig auf und neben dem Feld anführen. „Ich habe mich geehrt gefühlt und musste nicht lange überlegen“, sagte Köster zu seiner neuen Rolle.

Die Aufgabe in Kiel ist groß: Platz sechs in der Vorsaison bedeutete die schlechteste Platzierung seit 23 Jahren. Erstmals seit 33 Jahren ist der THW zudem nicht in einem Europapokal vertreten. Geschäftsführer Viktor Szilagyi hat das Ziel für die kommende Spielzeit daher klar formuliert: „Wir wollen wieder in einen internationalen Wettbewerb.“ Köster, der als exzellenter Abwehrspieler gilt und mit der Nationalmannschaft Silber bei den Olympischen Spielen in Paris und bei der Europameisterschaft im Januar gewann, soll dabei eine zentrale Rolle einnehmen.

Der 2,03 Meter große Rechtshänder sieht sich selbst als Führungsspieler. „Ich spiele sehr zentrale Positionen, sowohl in der Abwehr als auch im Angriff“, erklärte er. „Ich versuche, diese Verantwortung zu übernehmen und einfach mit meinen Qualitäten dem Team zu helfen.“ Im Team ist der Neuzugang bereits gut angekommen. „Dass ich ein paar Jungs aus der Nationalmannschaft kenne, hilft schnell reinzukommen“, sagte Köster. Auch seine neuen Mitspieler sind angetan: „Ich habe das Gefühl, er ist schon seit zwei Jahren da“, sagte Linksaußen Rune Dahmke und ergänzte: „Er wird uns hinten und vorne helfen.“

Kösters Wechsel vom Gummersbach nach Kiel war bereits im April 2025 bekanntgegeben worden. Dass in der Saison 2026/27 ausgerechnet sein Ex-Club international spielen würde, nicht aber sein neuer Verein, hatte damals niemand erwartet. „Ich glaube, das haben sich alle ein bisschen anders vorgestellt“, räumte der 26-Jährige ein. „Für Gummersbach freut es mich natürlich. Ich habe ja auch versucht, meinen Teil dazu beizutragen.“

Einen Nachteil darin, dass er und Torhüter Andreas Wolff vor der im Januar beginnenden Heim-Weltmeisterschaft nicht international spielen, sieht Köster nicht. Vielmehr könne die Europapokal-Absenz auch „ins Positive“ gedreht werden: „Wir haben weniger Reisebelastung, weniger Spielbelastung. Das heißt, man kann vielleicht ein bisschen mehr an unseren Baustellen arbeiten, wenn wir Wehwehchen haben, sodass wir dann hoffentlich fit in die Heim-WM gehen.“

Bis zum WM-Auftakt am 13. Januar 2027 in München gegen Tunesien wird der Fokus aber zunächst auf der Bundesliga liegen. Für den Rekordmeister beginnt die Saison am Donnerstag um 19.00 Uhr mit dem Heimspiel gegen den TBV Lemgo Lippe. Ausgerechnet gegen die Lipper kassierte Kiel zum Ende der vergangenen Spielzeit eine 31:34-Heimpleite, die die enttäuschende Saison besiegelte. Nun soll die Auftaktpartie ein Signal für die Zukunft sein – für den THW Kiel und für Julian Köster.

Bundestrainer Alfred Gislason sieht in Köster ohnehin einen der Fixpunkte des deutschen Handballs für die kommenden Jahre. „Johannes Golla, Julian Köster und Andreas Wolff. Das ist unsere Achse“, nannte der Isländer den 26-Jährigen als einen seiner wichtigsten Spieler. Diese Rolle will Köster nun auch in Kiel ausfüllen.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.