In der Union wachsen Ungeduld und Unzufriedenheit mit Kanzler Friedrich Merz. Nach Informationen aus Parteikreisen zweifeln viele Christdemokraten daran, dass Merz die wachsende Unruhe in der eigenen Partei aus eigener Kraft beenden kann. Die Kritik an seiner Amtsführung nimmt zu, und die Gerüchte über mögliche personelle Konsequenzen drehen sich immer schneller.
Die Unzufriedenheit speist sich aus mehreren Entwicklungen. Nach dem schwachen Abschneiden der CDU bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und den anhaltend schlechten Umfragewerten vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wächst der Druck auf den Kanzler. In der Union mehren sich die Stimmen, die eine klarere Linie und eine bessere Kommunikation der Bundesregierung fordern. Viele Parteimitglieder sorgen sich, dass die Berliner Politik nicht genügend auf die Sorgen der Menschen vor Ort eingeht.
Ein Beispiel für die wachsende Nervosität ist der Umgang mit den Ergebnissen der Kommunalwahl in Niedersachsen. Dort hat die CDU in Wolfsburg zwar die absolute Mehrheit verteidigt, doch in Hannover deutet sich eine Stichwahl an. CDU-Landeschef Sebastian Lechner räumte am Wahlabend ein, dass die Union ein «Glaubwürdigkeitsproblem» habe und der Unmut über die Berliner Politik auch im Land spürbar sei. Er zeigte sich dennoch optimistisch, dass die CDU stärkste Kraft in Niedersachsen werden könne.
Die Kommunalwahl in Niedersachsen galt als erster landesweiter Stimmungstest nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt und vor den kommenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Millionen Menschen waren aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Die Wahlbeteiligung lag bis zum Nachmittag bei über 50 Prozent und damit höher als vor fünf Jahren. In den Berliner Parteizentralen wurde das Ergebnis genau beobachtet, auch weil es Aufschluss darüber gibt, wie die AfD in einem westdeutschen Flächenland abschneidet.
Für Kanzler Merz ist die Situation heikel. In der Union wächst die Sorge, dass die Partei bei den anstehenden Wahlen weitere Verluste erleiden könnte. Besonders in Mecklenburg-Vorpommern, wo die CDU in Umfragen zuletzt auf sieben Prozent abgesackt war, droht ein Debakel. Viele in der Partei fragen sich, ob Merz die richtigen Antworten auf die aktuellen Herausforderungen hat und ob er die Partei hinter sich vereinen kann. Die Ungeduld wächst, und die Rufe nach einer Kurskorrektur werden lauter.
Die Kritik richtet sich nicht nur gegen die politische Ausrichtung, sondern auch gegen den Führungsstil des Kanzlers. In internen Runden wird bemängelt, dass Entscheidungen zu langsam getroffen und schlecht kommuniziert würden. Auch die Zusammenarbeit mit den Ländern und Kommunen wird als verbesserungswürdig angesehen. Viele Christdemokraten wünschen sich eine stärkere Einbindung der Parteibasis und eine klarere Sprache in der Öffentlichkeit.
Ob Merz die Unruhe selbst beenden kann, wird in der Union zunehmend bezweifelt. Die kommenden Wochen mit den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin dürften richtungsweisend sein. Sollte die CDU dort schlecht abschneiden, könnte der Druck auf den Kanzler weiter steigen. Die Parteispitze bemüht sich, die Nervosität zu dämpfen, doch die Gerüchteküche brodelt. Viele Mitglieder fordern eine schnelle und deutliche Reaktion der Parteiführung, um das Vertrauen zurückzugewinnen.

