Bei der Parlamentswahl in Schweden sind die Sozialdemokraten der früheren Regierungschefin Magdalena Andersson einer Nachwahlbefragung zufolge stärkste Kraft geworden. Die linke Opposition liegt damit nach dem vorläufigen Stimmungsbild vor dem bürgerlichen Lager. Die Prognose wurde unmittelbar nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht und bildet noch kein amtliches Endergebnis ab.
Die Sozialdemokraten konnten sich demnach als stärkste Einzelpartei behaupten. Für die Regierungsbildung im Stockholmer Reichstag ist jedoch entscheidend, welche Mehrheiten sich im 349 Sitze umfassenden Parlament ergeben. Schweden wird von einer Minderheitsregierung geführt, die auf wechselnde Unterstützung im Parlament angewiesen ist. Die Nachwahlbefragung deutet darauf hin, dass das linke Lager um die Sozialdemokraten, die Grünen und die Linkspartei gemeinsam die stärkste Kraftengruppe bilden könnte.
Die Wahl gilt als Richtungsentscheidung für das skandinavische Land. Im Mittelpunkt des Wahlkampfs standen Fragen der Migration, der Integration, der inneren Sicherheit sowie der Energie- und Wirtschaftspolitik. Auch die Themen Gesundheitsversorgung und Bildung spielten eine wichtige Rolle. Die Sozialdemokraten setzten im Wahlkampf auf soziale Sicherheit und eine aktive Industriepolitik, während das bürgerliche Lager um die Moderaten und die Schwedendemokraten für eine restriktivere Migrationspolitik und Steuersenkungen warb.
Die Nachwahlbefragung ist ein erstes Stimmungsbild und kann vom amtlichen Ergebnis abweichen. Die Auszählung der Stimmen läuft. Mit einem vorläufigen amtlichen Endergebnis wird im Laufe der Nacht oder am folgenden Tag gerechnet. Briefwahlstimmen und die Auszählung in den einzelnen Wahlkreisen können das Bild noch verschieben. In Schweden werden die Stimmen traditionell zügig ausgezählt, sodass relativ schnell belastbare Ergebnisse vorliegen dürften.
Sollte sich der Trend bestätigen, könnte Andersson erneut mit der Regierungsbildung beauftragt werden. Die frühere Ministerpräsidentin hatte das Amt bereits ausgeübt und führt die Sozialdemokraten seit 2021. Eine Regierungsbildung in Schweden ist häufig kompliziert, weil mehrere Parteien unterschiedliche Bündnisse eingehen. Die Sozialdemokraten regierten zuletzt in einer Koalition mit den Grünen und stützten sich im Parlament auf die Linkspartei sowie auf wechselnde Mehrheiten.
Das bürgerliche Lager um die Moderate Sammlungspartei und die Schwedendemokraten hatte auf einen Machtwechsel gehofft. Die Schwedendemokraten sind seit Jahren eine der stärksten Kräfte im Land und haben den Ton in der Migrationsdebatte mitbestimmt. Ob dieses Lager eine Mehrheit erreicht, hängt von den kleineren Parteien ab, darunter die Christdemokraten, die Liberalen und die Zentrumspartei. Die Nachwahlbefragung lässt hier noch keine endgültige Aussage zu.
Die Wahl in Schweden wird auch in Europa aufmerksam verfolgt. Das Land ist Mitglied der Europäischen Union und der NATO und nimmt eine wichtige Rolle in der nordischen Sicherheitspolitik ein. Die Zusammensetzung der künftigen Regierung dürfte Auswirkungen auf die schwedische Haltung in der EU, in der Migrationspolitik und in der Verteidigungspolitik haben. In Brüssel und in den nordischen Hauptstädten wird das Ergebnis daher mit besonderer Aufmerksamkeit erwartet.
Die Sozialdemokraten haben in Schweden traditionell eine starke Stellung. Sie regierten das Land über weite Strecken der Nachkriegsgeschichte und stellen auch in vielen Kommunen die stärkste politische Kraft. Für Andersson wäre ein erneuter Wahlsieg ein wichtiger Erfolg, nachdem sie das Amt der Ministerpräsidentin bereits innehatte. Für das bürgerliche Lager wäre eine Niederlage dagegen ein Rückschlag.
Die endgültigen Ergebnisse werden in den kommenden Stunden erwartet. Bis dahin bleibt die Nachwahlbefragung das wichtigste Stimmungsbild. Sobald die amtlichen Zahlen vorliegen, wird sich zeigen, ob die Sozialdemokraten ihren Vorsprung halten können und welche Koalitionen im Reichstag möglich sind.

