Die Mehrheit der Deutschen fordert von der Bundesregierung eine härtere Gangart gegenüber Israel. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage für RTL und den stern sind 58 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Berlin mehr Druck als bisher auf die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ausüben sollte, um sie zu einer Änderung ihrer Politik zu bewegen. Nur 33 Prozent lehnen dies ab, wobei dies mehrheitlich Sympathisanten der AfD sind. Neun Prozent machten keine Angaben.

Die Forderung nach mehr Druck wird in allen Bevölkerungsteilen getragen: Im Westen sind 59 Prozent dafür, im Osten 57 Prozent. Bei den Anhängern von CDU/CSU und SPD halten jeweils 67 Prozent eine schärfere Gangart für angebracht. Besonders deutlich ist die Zustimmung bei den Sympathisanten der Grünen, von denen drei Viertel (75 Prozent) mehr Druck auf die israelische Regierung fordern.

Hintergrund der Umfrage ist die anhaltende internationale Kritik an der Politik Israels gegenüber den Palästinensern im Gazastreifen und im Westjordanland. Besonders die Äußerungen des rechtsextremen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir sorgen für Empörung. Er hatte zu gezielten Tötungen von Palästinensern aufgerufen. Die Bundesregierung zeigt sich offenbar offen für Sanktionen gegen den Minister. Auf EU-Ebene wird seit Jahren über entsprechende Maßnahmen diskutiert, zuletzt beim Gipfel im Juni. Diese könnten Einreisesperren und das Einfrieren von in Europa vorhandenem Vermögen beinhalten, wofür ein einstimmiges Votum aller Länder im EU-Rat nötig wäre.

Einzelne Mitgliedstaaten sind bereits vorangegangen: Irland, Frankreich, Spanien und Slowenien haben Einreiseverbote für Ben-Gvir verhängt. Traditionell halten sich deutsche Politiker mit Kritik an Israel zurück und verweisen auf die besondere Verantwortung vor dem Hintergrund des Holocausts. Diese Zurückhaltung scheint sich nun zu lockern.

Die Umfrage fällt zudem in eine Zeit verschärfter Debatten über die rechtliche Ungleichbehandlung von Israelis und Palästinensern. In Israel und im Westjordanland werden beide Gruppen rechtlich nicht gleichbehandelt. Ein neues Gesetz gegen Terror sieht vor, dass Palästinenser, die von einem Militärgericht wegen tödlicher Terrorakte verurteilt wurden, hingerichtet werden müssen. Für jüdische Israelis gilt diese Ausweitung der Todesstrafe nicht. Menschenrechtler weltweit verurteilen diese Ungleichbehandlung scharf.

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa am 20. und 21. August 2026 telefonisch erhoben. Datenbasis waren 1003 Befragte, die statistische Fehlertoleranz liegt bei plus/minus drei Prozentpunkten.

Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.