US-Präsident Donald Trump hat den Ende Juli überraschend verstorbenen US-Senator Lindsey Graham als respektierten Staatsmann und engen Freund gewürdigt. Bei der Trauerfeier in der Nationalkathedrale von Washington sagte Trump, Graham habe es aus einfachen Verhältnissen zu weltweiter Anerkennung gebracht. Mehr als 30 Jahre lang sei in der Hauptstadt und in der Welt nichts von Belang geschehen, ohne dass Graham davon gewusst oder eine Meinung dazu gehabt hätte, so der Präsident vor tausenden Trauergästen. Die Zeremonie hatte hohen symbolischen Wert, da neben Trump unter anderem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilnahmen.
In seiner launigen Trauerrede spielte Trump allerdings auch auf Spannungen im Verhältnis zu dem neun Jahre jüngeren Republikaner an. Als Graham ihn 2016 im Präsidentschaftswahlkampf kritisiert habe, habe er dessen private Handynummer in einer Rede erwähnt. Sein Telefon sei förmlich explodiert, erzählte Trump unter dem Gelächter einiger Gäste. Zudem habe Graham Kriege geliebt, sagte Trump in Anspielung auf die harte Linie des Senators gegenüber Russland und dem Iran. Er habe nie einen Krieg gesehen, den er nicht gemocht habe, so der Präsident, der sich selbst immer wieder als Kandidat für den Friedensnobelpreis ins Gespräch bringt.
Lindsey Graham war am 11. Juli im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Herzerkrankung gestorben. Der Senator aus South Carolina hatte kurz vor seinem Tod noch die Ukraine besucht und verschärfte Sanktionen gegen Russland auf den Weg gebracht. Er wurde 1994 erstmals in das US-Repräsentantenhaus gewählt und zog 2002 in den Senat ein, wo er anschließend dreimal wiedergewählt wurde. Zuletzt war er Vorsitzender des Haushaltsausschusses. Seine sterblichen Überreste waren zunächst im Kapitol aufgebahrt, wo Vizepräsident JD Vance ihn als umgänglichen, leidenschaftlichen und beliebten Senator würdigte. Der Republikaner habe politische Gegner während seiner mehr als 30-jährigen Arbeit im Kongress gerne in Debatten herausgefordert, sagte Vance. Dem Republikaner aus South Carolina sei nicht alles in den Schoß gefallen, und deshalb sei er von jedem einzelnen Menschen fasziniert gewesen. Armeeangehörige trugen den mit einer US-Flagge bedeckten Sarg in die Rotunde des Kongressgebäudes, während eine Militärkapelle Stücke wie Amazing Grace spielte. An dieser Zeremonie nahmen Parlamentarier der Republikaner wie auch der oppositionellen Demokraten teil.
Die internationale Anteilnahme unterstreicht Grahams Einfluss auf die US-Außenpolitik, insbesondere seine harte Haltung gegenüber Russland und seine Unterstützung für die Ukraine und Israel. Bundeskanzler Friedrich Merz würdigte Graham nach dessen Tod als wahren Freund und Partner Deutschlands in der Nato. Netanjahu nannte ihn einen großen Freund Israels und einen Kämpfer gegen den Antisemitismus. Der ukrainische Präsident Selenskyj wollte im Anschluss an die Trauermesse bei Parlamentariern in Washington für die von Graham mit ausgehandelten Russland-Sanktionen werben. Graham wird am Mittwoch in seinem Heimatbundesstaat South Carolina beigesetzt. Sein Tod hinterlässt eine Lücke in der republikanischen Partei und im US-Senat, wo er über Jahrzehnte hinweg als eine der prägendsten Stimmen in der Sicherheits- und Außenpolitik galt.
