Der russische Präsident Wladimir Putin hat davor gewarnt, westliche Soldaten in der Ukraine zu stationieren. Bei einem Interview während seines Besuchs in Neu-Delhi sagte Putin, dies würde «Krieg gegen Russland» bedeuten. Die Äußerung fiel am Rande eines internationalen Termins und richtet sich an die NATO-Staaten, die zuletzt über eine mögliche Ausweitung ihrer militärischen Unterstützung für die Ukraine diskutiert hatten.
Putin reagierte damit auf anhaltende Spekulationen über eine mögliche Entsendung von Truppen westlicher Länder in die Ukraine. Solche Überlegungen waren zuletzt vor allem in Frankreich und Großbritannien laut geworden, wurden aber von anderen NATO-Mitgliedern zurückhaltend aufgenommen. Der Kremlchef nutzte seinen Auftritt in Indien, um erneut eine rote Linie zu markieren. Bereits in der Vergangenheit hatte Moskau jede direkte Beteiligung westlicher Streitkräfte am Krieg als inakzeptabel bezeichnet.
Unabhängig von Putins Äußerungen dauern die Kämpfe in der Ukraine unvermindert an. Die ukrainische Hauptstadt Kiew meldete am Mittwoch mindestens sieben Tote nach einem russischen Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Stadt Pawlohrad. Die genaue Zahl der Verletzten war zunächst unklar. Rettungskräfte waren im Einsatz, um Verschüttete zu bergen. Der Angriff auf ein ziviles Ziel löste international Bestürzung aus.
Pawlohrad liegt im Gebiet Dnipropetrowsk im Osten der Ukraine und war in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel russischer Luftangriffe. Die ukrainische Luftwaffe meldete in der Nacht zuvor den Abschuss mehrerer Drohnen und Raketen, konnte aber nicht alle Einschläge verhindern. Die Behörden sprachen von einem der schwersten Angriffe auf die Region in den letzten Wochen.
Unterdessen bereitet sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf ein Treffen mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump vor. Nach Angaben aus Kiew soll das Gespräch Ende September in New York stattfinden, am Rande der Generaldebatte der Vereinten Nationen. Selenskyj hatte zuletzt mehrfach betont, dass er sowohl mit Trump als auch mit der amtierenden US-Regierung über weitere Unterstützung sprechen wolle. Ein Treffen mit Trump wäre das erste seit mehreren Jahren.
Die USA sind der wichtigste militärische Unterstützer der Ukraine. Ein möglicher Wahlsieg Trumps im November könnte die amerikanische Ukraine-Politik grundlegend verändern. Trump hat wiederholt angekündigt, den Krieg schnell beenden zu wollen, ohne Details zu nennen. In Kiew und in europäischen Hauptstädten wird daher mit Spannung erwartet, welche Signale von dem Treffen in New York ausgehen.
Die russische Führung verfolgt die amerikanische Debatte aufmerksam. Putin hatte in der Vergangenheit mehrfach erklärt, dass Russland zu Verhandlungen bereit sei, aber nur zu seinen Bedingungen. Dazu gehört die Anerkennung der annektierten Gebiete und ein Verzicht der Ukraine auf eine NATO-Mitgliedschaft. Kiew und seine westlichen Partner lehnen das ab.
Die Lage an der Front bleibt angespannt. In den vergangenen Wochen hatten russische Truppen ihre Angriffe im Osten der Ukraine verstärkt, insbesondere um die Stadt Pokrowsk. Die ukrainische Armee meldete schwere Kämpfe und räumte Geländeverluste ein. Gleichzeitig setzt Kiew auf westliche Waffenlieferungen, um die Verteidigung zu stabilisieren.
Die internationale Gemeinschaft reagierte zurückhaltend auf Putins jüngste Warnung. Aus dem Weißen Haus hieß es, man werde sich nicht von Drohungen einschüchtern lassen. Die NATO betonte, dass jede Entscheidung über Truppenentsendungen in die Ukraine Sache der einzelnen Mitgliedstaaten sei. Eine offizielle Zustimmung zu Bodentruppen gibt es bislang nicht.
Beobachter werten Putins Äußerung als Versuch, die westliche Unterstützung für die Ukraine zu schwächen und Zweifel an einer weiteren Eskalation zu säen. Ob die Warnung tatsächlich eine neue Eskalationsstufe markiert oder Teil der üblichen Rhetorik ist, bleibt abzuwarten. Die kommenden Wochen mit dem Treffen in New York und der weiteren Entwicklung an der Front dürften darüber Aufschluss geben.

