Die Bundeswehr steht vor einem wichtigen Schritt bei der Beschaffung von Kamikazedrohnen. Die technische Qualifizierung der Waffen stehe kurz vor dem Abschluss, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in München. Auf die Frage nach dem Zeitraum antwortete er: „Ein paar Wochen“.
Pistorius äußerte sich am Rande eines Besuchs beim Münchner Rüstungsunternehmen Helsing, das militärische KI und Drohnen herstellt. Die Bundesregierung will die Streitkräfte mit Kamikazedrohnen ausrüsten, wie sie im Ukraine-Krieg in großer Zahl eingesetzt werden. Die Anschaffung gehört damit zu den Bemühungen, die Fähigkeiten der Bundeswehr im Bereich unbemannter Waffensysteme auszubauen.
Der Verteidigungsminister will ein Drohnenregiment aufbauen, das der an der Nato-Ostflanke in Litauen stationierten Panzerbrigade 45 zugeordnet werden soll. Die Brigade soll ab dem kommenden Jahr, also 2027, mit der sogenannten „loitering munition“ ausgestattet werden, wie Pistorius frühere Ankündigungen bekräftigte. Derzeit werde der Gefechtskopf erprobt, sagte der SPD-Politiker. Damit wird ein zentraler Teil der Waffe vor der späteren Auslieferung getestet.
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte die Anschaffung der Kamikazedrohnen im Februar genehmigt. Als erste Lieferanten waren das Münchner Unternehmen Helsing und das Berliner Unternehmen Stark Defence vorgesehen. Kamikazedrohnen können längere Zeit über einem Gebiet verharren und dann ihr Ziel angreifen. Dabei werden sie in der Regel selbst zerstört, daher ihre Bezeichnung. Die Haushälter hatten damit den Weg für die Beschaffung freigemacht, bevor die technische Prüfung abgeschlossen war.
An einem Tag besuchte Pistorius die Führungsetagen von vier Rüstungsunternehmen in München und Umgebung. Neben Helsing gehörte dazu die Militärsparte von Airbus. Der französisch-deutsche Konzern entwickelt derzeit unter anderem einen unbemannten Jagdbomber. Der Besuch zeigt, wie breit das Ministerium die Zusammenarbeit mit der Industrie aufstellt, um neue Systeme zu gewinnen.
Pistorius zog aus den Gesprächen ein klares Fazit. „Wir haben diese ausgezeichnete, innovative, moderne Verteidigungsindustrie, und wir werden sie künftig noch stärker nutzen“, sagte er. Die Aussage verdeutlicht, dass die Regierung die heimische Rüstungsbranche stärker in die Pflicht nehmen will, nachdem sich die Sicherheitslage in Europa verschärft hat. Konkrete Summen für die Drohnenbeschaffung nannte Pistorius in München nicht.
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