Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Nordkorea vorgeworfen, mit der Entsendung von Soldaten in den Ukraine-Krieg die Freiheit in ganz Europa zu bedrohen. Nach einem Treffen mit Südkoreas Präsident Lee Jae Myung in Seoul erklärte er, dass Russland gleichzeitig Waffen an Nordkorea liefere. Daran zeige sich, dass die Sicherheit Koreas und die Sicherheit Europas eng miteinander verbunden seien.

Merz sagte dazu, die Welt sei klein, auch im Krieg. Mit Lee vereinbarte der Kanzler eine Vertiefung der strategischen Partnerschaft, die auch den Sicherheitsbereich betrifft. Vorgesehen sind ein regelmäßiger militärischer Austausch, gemeinsame Übungen und der Austausch von Informationen. Zudem sollen die Rüstungsunternehmen beider Länder zu einer engeren Zusammenarbeit ermutigt werden.

Hintergrund ist die seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine deutlich ausgeweitete militärische Zusammenarbeit zwischen Pjöngjang und Moskau. Nordkorea lieferte nach den Angaben enormer Mengen an Artilleriemunition und Raketen. Nach Schätzungen des südkoreanischen Geheimdienstes entsandte es rund 15.000 Soldaten zur Unterstützung Moskaus. Im Gegenzug wird vermutet, dass Nordkorea finanzielle Unterstützung, Militärtechnik und Sicherheitsgarantien aus Russland erhält.

Kurz vor der Ankunft des Kanzlers feuerte Nordkorea nach Angaben des südkoreanischen Militärs rund zehn ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung des Japanischen Meeres. Die koreanische Halbinsel ist seit dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 geteilt, in einen kommunistisch regierten Norden und eine Demokratie im Süden. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht, die Spannungen bleiben groß.

Erst vor einer Woche hatte die südkoreanische Regierung erneut vorgeschlagen, Gespräche mit Nordkorea aufzunehmen. Machthaber Kim Jong Un hat bislang jedoch keine Bereitschaft dazu signalisiert. Laut Lee sicherte Deutschland Unterstützung für die Dialogbemühungen zu und verwies dabei auf die eigene Erfahrung mit der Teilung.

Merz wünschte den Menschen in Korea die Wiedervereinigung. In das Gästebuch schrieb er, Korea und Deutschland verbinde die leidvolle Erfahrung der Teilung. Er wünsche auch den Koreanern, was Deutschland erleben dürfe: Einheit in Freiheit.

Am Freitag besucht der Kanzler die entmilitarisierte Zone entlang des 38. Breitengrads, die sich 248 Kilometer weit zwischen beiden Ländern erstreckt. Deutschland gehört seit zwei Jahren dem von den USA geführten UN-Kommando an, das den Waffenstillstand überwacht. Seit 2025 ist dort ein Verbindungsoffizier der Bundeswehr stationiert, seit diesem Jahr zusätzlich ein Unteroffizier.

Bereits am Vormittag hatte Merz zum Abschluss seines Japan-Besuchs das Unternehmen Kyoto Fusioneering besucht. Dieses liefert zentrale Komponenten für Kraftwerke, die künftig Energie durch Kernfusion erzeugen sollen. In Tokio traf der Kanzler außerdem deutsche Soldaten, die am US-japanischen Großmanöver Keen Sword teilnehmen. Am Freitagabend fliegt er nach Berlin zurück.

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Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.