Die SPD hat bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ein geteiltes Ergebnis erzielt. Parteivorsitzender und Vizekanzler Lars Klingbeil sprach in Berlin von einem «Wahlabend mit sehr gemischten Gefühlen». Die Aufholjagd von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern sei beeindruckend gewesen und stelle eine Ermutigung für die gesamte Sozialdemokratie dar. In Berlin hingegen kann die Partei mit ihrem Abschneiden nicht zufrieden sein.
Die Co-Vorsitzende und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas äußerte sich nachdenklich über das Resultat in der Hauptstadt. «Das ist – das muss man so sagen – in Berlin das schlechteste Ergebnis für die SPD. Das ist nicht unser Anspruch», sagte sie. Aus den Wahlkämpfen müsse man nun die Konsequenz ziehen, dass viele Menschen mit den anstehenden Reformen nicht zufrieden seien. «Und das heißt für uns auch, dass wir gemeinsam mit den Koalitionspartnern nach Lösungen suchen müssen», betonte Bas.
Klingbeil forderte eine offenere Debatte in der Regierung über den Reformkurs der Bundesregierung. Deutschland brauche Reformen, sagte der SPD-Vorsitzende. Wenn Bürgerinnen und Bürger diese jedoch als Bedrohung für ihr Leben und als Verschlechterung wahrnähmen, müsse nicht nur die Kommunikation verbessert werden, «sondern an der einen oder anderen Stelle auch die Substanz der Reform». Damit reagierte er auf die Sorgen vieler Wählerinnen und Wähler, die sich von den geplanten Vorhaben der Koalition nicht ausreichend berücksichtigt fühlen.
Die Wahlergebnisse in beiden Ländern sind auch vor dem Hintergrund der kommenden Aufgaben der Bundesregierung von Bedeutung. Während die SPD in Mecklenburg-Vorpommern von der starken Mobilisierung für Schwesig profitierte, musste sie in Berlin deutliche Verluste hinnehmen. Die Parteispitze sieht nun Handlungsbedarf, um das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen und die Akzeptanz für Reformen zu erhöhen. Die Koalitionspartner sind aufgefordert, gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen.
Für die SPD bedeutet das Ergebnis eine Zäsur: Einerseits gibt das gute Abschneiden im Nordosten Rückenwind für den weiteren Kurs, andererseits zeigt das schlechte Ergebnis in Berlin, dass die Partei in urbanen Zentren an Zustimmung verliert. Die Parteivorsitzenden machten deutlich, dass sie die Signale aus beiden Wahlkämpfen ernst nehmen und die inhaltliche Ausrichtung der Regierungspolitik überdenken wollen. In den kommenden Wochen dürften intensive Gespräche mit den Koalitionspartnern anstehen, um die Reformagenda anzupassen und die Kommunikation gegenüber der Bevölkerung zu verbessern.

